Die Zirkulationskosten

I. Reine Zirkulationskosten

Reine Zirkulationskosten sind Kosten, die nur in der Zirkulationssphäre entstehen und nur dem Formwechsel der Werts geschuldet sind, also nichts zum Wert des Produkts beitragen. Die Zirkulationskosten sind zum Teil den Eigentümlichkeiten der warenproduzierenden Gesellschaft geschuldet,, zum Teil aber auch den Notwendigkeiten des gesellschaftlichen Produktionsprozesses. Sie entspringen dem Aufwand für den Austausch der Produkte (also Kauf und Verkauf), der Buchführung (Planung der Zirkulation) und der Bereitstellung der Zirkulationsmittel.

► Der Verwertung des Kapitals steht zweierlei entgegen. Erstens die Zeit, die das Kapital für einen Umschlag braucht, also die Dauer von Produktion und Zirkulation. Die Zirkulation macht zweitens Kosten nötig an Arbeitskraft und an Arbeitsmitteln, die beide als Minderung der Kapitalsverwertung wirken. Allerdings können diese Ausgaben dazu beitragen, sie Umlaufzeit zu verringern. Die doppelte Schranke der Kapitalverwertung im Zirkulationsprozess ist also

1.       Die Nicht-Verwertung des Kapitals, solange es im Zirkulationsprozess steckt.

2.       Der Kapitalvorschuss für die notwendigen aber unproduktiven Tätigkeiten, die im Zirkulationsprozess anfallen. Sie sind ebenfalls ein Abzug von dem Kapital, das sich verwerten kann.

► Während der Untersuchung der Zirkulation fallen regelmäßig Kosten auf, die zwar während der Zirkulationszeit anfallen, aber keine Zirkulationskosten im strengen Sinne sind: werterhaltende Kosten und versteckte Produktionskosten.

1.Kauf- und Verkaufszeit

(1)    Kauf- und Verkaufszeit bilden einen Teil der Geschäftszeit des Kapitalisten.

Sie sind notwendiger Teil seiner »Funktionszeit als Kapitalist«

(2)   Bei Kauf und Verkauf ändert der Wert nur seinen Zustand.

»Werden die Waren zu ihren Werten verkauft, so bleibt die Wertgröße in der Hand sowohl des Käufers wie des Verkäufers unverändert; nur seine Daseinsform hat sich verändert. Werden die Waren nicht zu ihren Werten verkauft, so bleibt die Summe der umgesetzten Werte unverändert; was auf der einen Seite plus, ist auf der andern minus.« (S.131)

(3)   »Die Zustandsänderung kostet Zeit und Arbeitskraft, aber nicht um Wert zu schaffen, sondern um die Umsetzung des Werts aus einer Form in die andre hervorzubringen« (S.131f):

·        Wert wird durch diese bloße Zustandsänderung nicht geschaffen;

·        die Kapitalisten suchen sich zwar bei Kauf und Verkauf gegenseitig zu übervorteilen, dadurch werden aber nur die Kosten der Zirkulation erhöht;

·        »Sind die Warenbesitzer daher keine Kapitalisten, sondern selbständige unmittelbare Produzenten, so ist die zu Kauf und Verkauf verwendete Zeit ein Abzug von ihrer Arbeitszeit« (S.132)

(4)   Aus Kauf und Verkauf werden auch dann keine wertschaffenden Tätigkeiten, wenn sie einen großen Umfang erreichen, durch Zirkulationsagenten verrichtet oder auf eine eigne Geschäftssphäre abgewälzt werden.

»Wenn durch Teilung der Arbeit eine Funktion, die an und für sich unproduktiv, aber ein notwendiges Moment der Reproduktion ist, aus einer Nebenverrichtung vieler in die ausschließliche Verrichtung weniger verwandelt wird, in ihr besondres Geschäft, so verwandelt sich nicht der Charakter der Funktion selbst.« (S.133)

(5)   Durch Verselbständigung von Kauf und Verkauf verringern sich die Zirkulationskosten.

(6)   Der Reproduktionsprozess schließt unproduktive Funktionen ein.

Es muss unproduktive, also nicht mehrwertproduzierende Arbeit geleistet werden. Im Zuge der Arbeitsteilung fällt diese Tätigkeit sie besonderen Lohnarbeitern zu.

»Sein Nutzen besteht nicht darin, eine unproduktive Funktion in eine produktive zu verwandeln, oder unproduktive Arbeit in produktive. Es wäre ein Wunder, wenn dergleichen Verwandlung durch solche Übertragung der Funktion bewerkstelligt werden könnte. Sein Nutzen besteht vielmehr darin, daß ein geringrer Teil der Arbeitskraft und Arbeitszeit der Gesellschaft in dieser unproduktiven Funktion gebunden wird.« (S.134)

Ein mit den Zirkulationsaufgaben betrauter Lohnarbeiter schafft zwar keinen Mehrwert, leistet aber Mehrarbeit. Auch dadurch trägt er dazu bei, die Zirkulationskosten für den Kapitalisten zu senken.

(7)   Wenn die Zirkulationstätigkeit von besonderen Zirkulationsagenten ausgeübt wird – was ab einem bestimmten Umfang nötig wird – erscheint die in der Zirkulation verausgabte Arbeitskraft und –zeit als zusätzliche Kapitalauslage.

»Dieser Kapitalvorschuß schafft weder Produkt noch Wert. Er vermindert pro tanto den Umfang, worin das vorgeschoßne Kapital produktiv fungiert. Es ist dasselbe, als würde ein Teil des Produkts in eine Maschine verwandelt, welche den übrigen Teil des Produkts kauft und verkauft. Diese Maschine verursacht einen Abzug von Produkt. Sie wirkt nicht mit im Produktionsprozeß, obgleich sie die in der Zirkulation verausgabte Arbeitskraft etc. vermindern kann. Sie bildet bloß einen Teil der Zirkulationskosten.« (S.135)

2.Buchführung

Die Buchführung ist eine reine Zirkulationskost. Sie dient dem Kapitalisten zu allerlei: Dazu, seine Preise zu kalkulieren, dazu, die Übersicht zu behalten, ob sich seine Tätigkeit lohnt und sein Kapital sich verwertet, die Übersicht zu behalten, wann welche Zahlungen zu leisten sind und welche Zahlungen noch ausstehen. Dazu dient die Buchhaltung. Sie ist aber nichts weiter als die gedankliche Zusammenfassung der Zirkulation Deshalb ist sie unproduktiv, d.h. nicht wertbildend.

(1)    Die Bewegung des Kapitals als Einheit der Kreisläufe ist ideell im Rechengeld vorhanden und erhält ein symbolisches Abbild durch die Buchführung.

(2)   Die Kosten der Buchführung erscheinen als unmittelbarer Abzug von Arbeitszeit und Arbeitszeit und Arbeitsmitteln.

»Dieser Teil des Kapitals ist dem Produktionsprozeß entzogen und gehört zu den Zirkulationskosten, Abzügen am Gesamtertrag. (Eingeschlossen die Arbeitskraft selbst, die ausschließlich auf diese Funktion verwendet wird.)« (S.136)

(3)   Die Bedeutung der Buchführung nimmt mit der Stufenleiter der Produktion zu.

»Die Buchführung als Kontrolle und ideelle Zusammenfassung des Prozesses wird um so notwendiger, je mehr der Prozeß auf gesellschaftlicher Stufenleiter vorgeht und den rein individuellen Charakter verliert; also notwendiger in der kapitalistischen Produktion als in der zersplitterten des Handwerks- und Bauernbetriebs, notwendiger bei gemeinschaftlicher Produktion als bei kapitalistischer. Die Kosten der Buchführung reduzieren sich aber mit der Konzentration der Produktion und je mehr sie sich in gesellschaftliche Buchführung verwandelt.« (S.137)

► Zwar wird auch nach dem Kapitalismus Buchführung nötig sein. Das ändert aber nichts daran, dass die heutige Buchführung eine reine Zirkulationstätigkeit ist. Diese wird es im Kommunismus nicht mehr geben. Die kommunistische Buchführung ist nicht die gedankliche Zusammenfassung der Zirkulation, sondern die des gesellschaftlichen Stoffwechsels. Sie hat also einen ganz anderen Zweck.

3.Geld

(1)    Das Geld gehört nicht zu den individuellen Zirkulationskosten, sondern zu den gesellschaftlichen.

»Ob ein Produkt als Ware oder nicht als Ware produziert wird, es ist stets stoffliche Gestalt von Reichtum, Gebrauchswert, bestimmt, in die individuelle oder produktive Konsumtion einzugehn. Als Ware existiert sein Wert ideell im Preise, der an seiner wirklichen Gebrauchsgestalt nichts ändert. Daß aber bestimmte Waren, wie Gold und Silber, als Geld fungieren und als solche ausschließlich den Zirkulationsprozeß behausen (auch als Schatz, Reserve etc. bleiben sie, obwohl latent, in der Zirkulationssphäre), ist ein reines Produkt der bestimmten gesellschaftlichen Form des Produktionsprozesses, der Produktionsprozeß von Waren ist.« (S.137)

(2)   Weil in der warenproduzierenden Gesellschaft sich der überwiegende Teil der Produktion in Geld darstellen muss, braucht es Zirkulationsmittel in großem Umfang. In ihnen ist ein Teil des gesellschaftlichen Reichtums der individuellen und der produktiven Konsumtion entzogen. Er ist in unproduktiver Form.

»Diese Ersatzkosten sind bei kapitalistisch entwickelten Nationen bedeutend, weil überhaupt der in Form des Gelds gebannte Teil des Reichtums umfangreich ist. Gold und Silber, als Geldwaren, bilden für die Gesellschaft Zirkulationskosten, die nur aus der gesellschaftlichen Form der Produktion entspringen. Es sind faux frais der Warenproduktion überhaupt, die mit der Entwicklung der Warenproduktion, und besonders der kapitalistischen Produktion, wachsen. Es ist ein Teil des gesellschaftlichen Reichtums, der dem Zirkulationsprozeß geopfert werden muß.« (S.138)

 

►Das Geld war bald mehr als bloße Ware. Von der Garantie des Geldes bis zur Ersetzung der Geldware durch die staatliche Garantie eines Zahlungsmittels wurde – dank der Gewalt des Staates – einiges an Zirkulationskosten eingespart. Auch wenn die Kosten, die der Staat selbst macht, zu den faux frais der kapitalistischen Produktionsweise gehört.

II. Aufbewahrungskosten

Aufbewahrungskosten sind zum Teil. produktiv weil sie Produktionsprozessen entspringen, die nur in der Zirkulationsform versteckt sind. Zum Teil sind es gesellschaftlich unproduktive Ausgaben, die aber für den individuellen Kapitalisten wertbildend wirken.

►Warum sind die reinen Zirkulationskosten nicht wertbildend für den individuellen Kapitalisten? Weil sie nichts mit einer bestimmten Ware zu tun haben. Sie fallen gleichmäßig für alle Waren an. Insofern kann sie der Kapitalist seinem Preis nicht zuschlagen: Die Folge wäre bloß ein allgemeiner Anstieg des Preisniveaus. Nur wenn die Preisaufschläge verschieden sind, können aus den unproduktiven Kosten gesellschaftliche, aber nicht individuelle werden.

 

Aufbewahrungskosten sind keine reinen Zirkulationskosten. Sie entstammen zum nur Teil der Notwendigkeit zur Formverwandlung, zum Teil aber auch aus einer gesellschaftlichen Notwendigkeit. Sie fallen aus stofflichen Gründen an, weil die Waren, solange sie in der Zirkulationssphäre sind, erhalten werden müssen.

Bei den dabei anfallenden faux frais sind diejenigen, die aus der Produktion und dem gesellschaftlichen Stoffwechsel entstammen von denen zu unterscheiden, die nur von der warenproduzierenden oder der kapitalistischen Ökonomie nötig gemacht werden.

»Kosten also, die die Ware verteuern, ohne ihr Gebrauchswert zuzusetzen, für die Gesellschaft also zu den faux frais der Produktion gehören, können für den individuellen Kapitalisten Quelle der Bereicherung bilden. Andrerseits, soweit der Zusatz, den sie dem Preis der Ware hinzufügen, diese Zirkulationskosten nur gleichmäßig verteilt, hört ihr unproduktiver Charakter dadurch nicht auf. Z.B. Assekuranzgesellschaften verteilen die Verluste individueller Kapitalisten unter die Kapitalistenklasse. Dies verhindert jedoch nicht, daß die so ausgeglichnen Verluste nach wie vor, das gesellschaftliche Gesamtkapital betrachtet, Verluste sind.« (S.139)

1.Vorratsbildung überhaupt

(1)    Der kontinuierliche Kreislauf des Kapitals erfordert die Vorratshaltung.

»Der Fluß des Produktions- und Reproduktionsprozesses erheischt jedoch, daß eine Masse Waren (Produktionsmittel) sich beständig auf dem Markt vorfindet, also Vorrat bildet. Ebenso umfaßt das produktive Kapital den Ankauf der Arbeitskraft, und die Geldform ist hier nur die Wertform von Lebensmitteln, die der Arbeiter großenteils auf dem Markt vorfinden muß.« (S.139)

(2)   Das Kapital in Form des Vorrats ist in zweckwidrigem aber notwendigem Zustand.

Der Zustand des Kapitals als Vorrat ist einerseits Bedingung, um Geld in Ware zu verwandeln, andrerseits ein zweckwidriger Zustand, indem sich Kapital in dieser Form nicht verwertet. Dies ist das erste Verwertungshindernis: die Dauer des Umlaufs.

»Der Aufenthalt in der Formverwandlung W´- G´ hindert den realen Stoffwechsel, der im Kreislauf des Kapitals vorgehn muß, wie seine weitere Funktion als produktives Kapital. Andrerseits für G - W erscheint das beständige Vorhandensein der Ware auf dem Markt, der Warenvorrat, als Bedingung des Flusses des Reproduktionsprozesses wie der Anlage von neuem oder zusätzlichem Kapital.« (S.140)

(3)   Die Vorratshaltung verursacht Kosten.

Die Haltung von Vorräten erfordert den Vorschuss von konstantem (»Baulichkeiten, Magazine«) und variablem Kapital. Dies ist das zweite Verwertungshindernis, die durch die Zirkulation anfallenden Kosten.

»Das Dasein des Kapitals in seiner Form als Warenkapital und daher als Warenvorrat verursacht also Kosten, die, da sie nicht der Produktionssphäre angehören, zu den Zirkulationskosten zählen.« (S.140)

(4)   Die Aufbewahrungskosten gehen zum Teil in den Warenwert ein.

»Unter allen Umständen sind Kapital und Arbeitskraft, die zur Erhaltung und Aufbewahrung des Warenvorrats dienen, dem direkten Produktionsprozeß entzogen. Andrerseits müssen die hier angewandten Kapitale, Arbeitskraft eingerechnet, als Bestandteil des Kapitals, aus dem gesellschaftlichen Produkt ersetzt werden. Ihre Auslage wirkt daher wie eine Verminderung der Produktionskraft der Arbeit, so daß ein größres Quantum Kapital und Arbeit erheischt ist, um einen bestimmten Nutzeffekt zu erzielen. Es sind Unkosten.« (S.140)

i)       Aufbewahrungskosten, die der »bestimmten gesellschaftlichen Form des Produktionsprozesses entspringen« (S.140f), also dem Kapitalismus eigen sind (z.B. der Tatsache geschuldet sind, dass die Ware in Geld verwandelt werden muss), schaffen keinen Wert und tragen zum Produkt nichts bei.

ii)      Aufbewahrungskosten, die auf eine Konservierung der Waren zielen, haben in der kapitalistischen Ökonomie nichts mit dem Gebrauchswert zu tun, sondern nur mit dem Wert. Allerdings nicht mit der Formverwandlung des Werts, sondern mit dessen Erhaltung. Es wird neue Arbeit zugesetzt, aber nicht um den Wert zu erhöhen, sondern um seine Abnahme einzudämmen.

»Es ist nun weiter zu untersuchen, wieweit diese Unkosten aus dem eigentümlichen Charakter der Warenproduktion überhaupt und der Warenproduktion in ihrer allgemeinen, absoluten Form hervorgehn, d.h. der kapitalistischen Warenproduktion; wieweit sie andrerseits aller gesellschaftlichen Produktion gemeinsam sind und hier nur innerhalb der kapitalistischen Produktion eine besondre Gestalt annehmen, eine besondre Erscheinungsform.« (S.141)

[1b.Die Formen des Vorrats]

[Im Folgenden kritisiert Marx bürgerliche Ökonomen, von denen die Vorratsbildung falsch analysiert wurde. Adam Smith z.B. hielt den Vorrat für dem Kapitalismus eigentümlich.]

(5)   Verschiedene Produktionsweisen unterscheiden sich in der Art der Vorratsbildung.

Formen von Vorrat:

·        Vorrat in Form des produktiven Kapitals;

·        individueller Konsumtionsfond;

·        Warenvorrat, er fällt natürlich nur bei kapitalistischer Produktion an.

 

i)       In Gesellschaften, die auf Selbstversorgung ausgerichtet sind, ist der Vorrat in Form von individuellem Konsumtionsfonds angelegt, kaum in Form von Warenkapital.

ii)      Das in produktiver Form vorrätige Kapital nimmt in der kapitalistischen Produktionsweise mit der Entwicklung der Arbeitsproduktivität zu, absolut und relativ.

iii)    Mit der Stufenleiter der Produktion wächst die Masse der Roh- und Hilfsstoffe, die in den Produktionsprozess eingehen und damit tendenziell auch deren Vorrat. Relativ kann der Vorrat aufgrund verbesserter Vorratshaltung aber abnehmen.

(6)   Vorräte an Roh- und Hilfsstoffen werden in umgekehrtem Verhältnis zur Regelmäßigkeit und Sicherheit ihrer Bereitstellung gehalten. Der Vorrat in Form des produktiven Kapitals sinkt.

Sie hängt daher von der Entwicklungsstufe der kapitalistischen Produktion ab.

i)       Mit dem gesellschaftlichen Umfang der Produktion sinkt die Notwendigkeit individuelle Vorräte bilden zu bilden.

ii)      Mit der Entwicklung der Transport- und Kommunikationsmittel steigt die Zuverlässigkeit und sinken die Kosten der Versorgung.

iii)    Mit der Entwicklung des Kreditsystems ist der Produzent weniger unmittelbar auf den Verkauf zur Erneuerung seiner Vorräte angewiesen.

iv)    Agrarprodukte brauchen lange Produktionszeit, während derer sie als Vorrat existieren müssen. Sie können aber, statt in der Hand eines industriellen Kapitalisten, in der Hand eines Kaufmanns existieren. Es kommt zu einem Formwechsel.

v)      Mit der Entwicklung des Weltmarkts vervielfältigen sich die »Bezugsquellen desselben Artikels« (S.145)

2.Eigentlicher Warenvorrat

Vorrat, der nur die Form von Warenvorrat annimmt, aber auch in anderen Produktionsweisen bestehen müsste, geht in die Wertbildung ein. Warenvorrat, der nur im Kapitalismus notwendig ist, geht nicht in die Wertbildung ein.

(1)    Die Existenz eines Warenvorrats folgt aus der kapitalistischen Form der Produktion

i)       In dem Maße, wie immer mehr Produkte sich in Waren verwandeln, nimmt auch der Warenvorrat zu; er ersetzt dabei den bisherigen Produktions- und Konsumtionsvorrat. Wenn Produkte zu Waren werden, müssen sie stets vorübergehend Warenvorrat bilden, ehe sie in die Konsumtion eingehen. Dies ist ein bloßer Formwechsel des Vorrats gegenüber einer auf Selbstversorgung ausgerichteten Produktion.

ii)      Der Warenvorrat wächst außerdem durch die zunehmende Produktenmasse, die mit der Entwicklung des Kapitalismus auf den Markt geworfen werden. Die Stufenleiter der Produktion wird zunehmend weniger durch die Nachfrage bestimmt, sondern durch die Notwendigkeit des Kapitalisten, Waren auf den Markt zu bringen, um Wert zu realisieren und so sein Kapital zu verwerten.

iii)    Die Zahl der Lohnarbeiter wächst, weil immer mehr Produzenten von ihren Produktionsmitteln getrennt werden. Sie müssen auf dem Markt einen Vorrat an Lebensmitteln vorfinden.

(2)   Die Aufbewahrung des Warenvorrats erfordert Kosten: Gesellschaftliche Arbeit muss aufgewandt werden, um das gesellschaftliche Produkt zu erhalten.

Im Kapitalismus haben diese Kosten die Form eines zusätzlichen Kapitalvorschusses, der nicht in die Verwertung eingeht. Aber auch in anderen Produktionsweisen ist Arbeit zur Erhaltung des gesellschaftlichen Produkts nötig.

(3)   »Das allgemeine Gesetz ist, daß alle Zirkulationskosten, die nur aus der Formverwandlung der Ware entspringen, dieser letztren keinen Wert hinzusetzen. Es sind bloß Kosten zur Realisierung des Werts oder zu seiner Übersetzung aus einer Form in die andre. Das in diesen Kosten ausgelegte Kapital (eingeschlossen die von ihm kommandierte Arbeit) gehört zu den faux frais der kapitalistischen Produktion. Der Ersatz derselben muß aus dem Mehrprodukt geschehn und bildet, die ganze Kapitalistenklasse betrachtet, einen Abzug vom Mehrwert oder Mehrprodukt, ganz wie für einen Arbeiter die Zeit, die er zum Einkauf seiner Lebensmittel braucht, verlorne Zeit ist« (S.150)

i)       Jeder Warenvorrat, der aus Zirkulationsstockungen herrührt, setzt der Ware keinen Wert zu.

»Die Unkosten, die ihre Fixierung ihrer Warenform ihm verursacht, gehören zu seinen individuellen Abenteuern, die den Käufer der Ware nichts angehn.« (S.147)

ii)      Der freiwillige Warenvorrat ist auf die antizipierten Zirkulationsstockungen berechnet. Der Warenvorrat, der nötig ist um diese Stockungen auszugleichen, ist abhängig von der Dauer der Produktionsperioden und muss zudem ausreichen, um auch überdurchschnittliche Nachfrage zu befriedigen.

»Nur durch diese Vorratbildung ist die Beständigkeit und Kontinuität des Zirkulationsprozesses, und daher des Reproduktionsprozesses, der den Zirkulationsprozeß einschließt, gesichert.« (S.148)

iii)    Für den Erhalt des Warenvorrats, der nur formverwandelter Produktions- oder Konsumtionsvorrat ist, wird Wert auf die Waren übertragen.

iv)    Sofern die Kosten nur aus der Form entspringen, also nicht durch die Warenzirkulation notwendig sind, gehen sie nicht in den Warenwert ein.

(4)   Stockungen der Waren müssen sich nicht mit denen des Kapitals decken. Das Kapital des individuellen Kapitalisten kann sich noch ohne Stockungen in seinem Kreislauf bewegen, obwohl die Waren, deren Produktion seiner Kapitalverwertung zugrunde liegen, bei Wiederverkäufern lagern und auf Absatzschwierigkeiten stoßen.

III. Transportkosten

Ganz unabhängig von der gesellschaftlichen Produktionsweise ist Transport notwendig sowohl innerhalb des Produktionssphäre, als auch um das fertige Produkt an den Ort seiner Konsumtion zu bringen. Auf Grundlage der kapitalistischen Produktion erscheint die Transportindustrie, die in der Zirkulationssphäre tätig ist, als Ursache der Zirkulationskosten. Sie ist aber nur im Zirkulationsprozess versteckte Zirkulation.

(1)    Transportkosten sind von den Zirkulationskosten zu unterscheiden.

Waren können zirkulieren, ohne ihren Ort physikalisch zu verändern; Güter können transportiert werden, ohne Waren zu sein. In der Zirkulation bewegen sich die Eigentumstitel, nicht notwendigerweise die Güter selbst. Der Stoffwechsel der gesellschaftlichen Arbeit vollzieht sich im Kapitalismus in den Kreisläufen des Kapitals. Der Transport erscheint als Ursache der Zirkulationskosten, ist aber tatsächlich unabhängig von der Zirkulation.

(2)   Der Gebrauchswert der Güter wird durch ihren Transport nicht vermehrt. Insofern aber ihr Konsum Ortsveränderungen notwendig macht, wird durch die Transportarbeit Wert zugesetzt und übertragen.

Vor allem der produktive Konsum macht laufend Transporte in- und außerhalb der Fabrik nötig.

(3)   »Je kleiner die Arbeitsmenge, tote und lebendige, welche der Transport der Ware für gegebne Entfernung erheischt, desto größer die Produktivkraft der Arbeit, und umgekehrt.« (S.151f)

Absolut sind die Kosten von der Produktivkraft der Transportarbeit und der Entfernung abhängig; relativ sind sie abhängig von Größe und Gewicht – mit Modifikationen, die eine Sonderbehandlung der Ware notwendig machen.

(4)   Der Kapitalismus vermindert die Transportkosten pro Ware, erhöht aber die insgesamt anfallenden Transportkosten

Die größere Stufenleiter der Produktion erlaubt effizienteren Transport, den Einsatz von Maschinerie und senkt ganz allgemein den Wert der bestehenden Transportmittel. Andererseits verwandeln sich immer mehr Produkte in Waren und machen den Transport auf immer entferntere Märkte nötig. Daher muss mehr gesellschaftliche Arbeit auf den Warentransport verwendet werden.

(5)   Die Transportindustrie bildet eine eigene Anlagesphäre des produktiven Kapitals. Sie erscheint aber »als Fortdauer eines Produktionsprozesses innerhalb des Zirkulationsprozesses und für den Zirkulationsprozeß« (S.153)