Der Anhalter
Ast eines Baumes
Ast
Stamm Wurzel Krone:
Baum im Winter,
wie toter zersprengter
Schneebesen: Er
ragt und rührt
an unbegrenzte Himmel.
Verrückte Horizonte.
Sie aus all dem Licht,
von Weiß durchzogenem,
und auch schattig
bleich
nach Maß geschneidert
auf das Dynamit.
Verrücktes Maß der Möglichkeit.
"Nimmst du mich mit
auf deiner Fahrt?
Ins gelbe Reich der Leichtigkeit?"
Terra X
Von den Tretbahnen kommend
in verlängerter Nacht
war das meiste uns Steppe,
ein aufgeweichter Felsen
zwischen Witterung und Kosmos.
Bestellte Felder, Steinwüsten
schimmerten noch eingraviert
auf unserer Hornhaut
in die Weiten des Horizonts:
Gedanken verrottend bei Licht,
unter gleichweiten Sternen.
Die taumelnde Vernunft, ein
Einerlei aus Flüssen und Land,
ernährte duftend
mancherlei Genie
Genesis post Utero
Den Tag haben wir geschnitzt
aus der Masse geronnener Nacht,
dem urgebürtigen Licht.
Ihm folgte der Traum nach,
wie die Furche dem Pflug.
In die Stille säten unsere Hirne
den unmöglichen Ton.
Unsere Herzen waren die Trommeln,
die xylophonen Gewächse ihre
schlüssellosen Wärter,
deren Kindbett eine Narbe war
aus Sargdeckeln
auf den verlassenen Furchen
des Lärms.
Die Bäume aber wuchsen schnell.
Ihre Schatten bedeckten ihre Wurzeln,
die kriegerisch waren und hart.
Kühle spendeten sie den Hirnen.
Und Rinde, Geist aus Geistern.
Die Welt, sie versank,
den Pflug, ihn zog der Blick hinfort.
Bis Kopf und Frucht
Vermählung taten,
wie eine Bäule Furcht auswuchs.
Schwer ist nun die Welt.
Sag, doch sprich es nicht, Colon
Als ob sich mit jeder Bewegung,
die wir dem immmervollen Jahr abringen,
die Bilder und Ausdrücke der Umgebung
zu lächeln wie vertraut, wie
vorm zu Bett gehen es Boden und Decke
(du dazwischen ...)
tun, in allmählichem Schwund der Lichter,
der hoffnungsfrohen, aber vergeblichen
Anstrengungen der Lider ...
(was zu erkennen?).
Die Massen säubernder Glut
vermögen allein dich
zum Ausbruch zu bewegen,
... obwohl Ruß und Rauch
vor diesen Schemen
fast verschwimmen,
dein Atem aber
seismographisch entschlummert,
wieder ein Riß
(aus epischer Nähe)
deine Kraft durchläuft
zum Zentrum hin, abwärts ...
Wie kann man dennoch gehen
und Land erringen,
wenn die Segel voll in Flammen stehn
im Wind aus dir ?
Räume, stets verschnitten
Sieh sie dir an,
die erarbeiteten Räume,
und all die erlöschenden Lichter
nach den Begegnungen mit Menschen.
Wie sie um die angstgespreizte Hoffnung
unserer Zweifel stehen,
wie Bojen, von Leuchttürmen
übergangen in Nächten ganz aus Wind ...
Zurückkehren muß,
doch nicht DORTHIN,
verwegenes Licht,
gegangenes FORT.
Aber füllst du
(lichtester Raum)
mit nur einem Weg ENTLANG
dein strudelndes Hirn mit dem dann,
was immer noch weiter und weiter trägt,
wirst Luftzug du sein
(Zeichen)
im Sog, der nichts mehr deutet,
als
was du verstehst
unter MENSCHSEIN
und
ZEIGEN.
Aufschläge
Der gleiche Wunsch
nach Raum und Tat,
nach Dingen, die kein
Augenzwinkern ungeschehen
macht nach dir,
er ruft Geständnisse und Lügen
wach an Träumereien,
Szenen der Geburt.
In Augenwinkeln trägst du
schlotternd einen Helm aus Eis,
scheußliche Metapher
deines Größenwahns in Zeit ...
Vergiß die armen Menschen,
die ein Nebel treibt
hinaus in kalte Nacht.
Nur einen Aufschlag weit entfernt
stehst du von Sternenscherben,
die fürs Ganze stehn ...
Hinter den zurückgebogenen Speichen der Angst
suchst du vergeblich nach der Kunst zu leben.
Eine Geste, ein zerbrochnes Flächenspiel der Liebe
legt uns bloß, teilt uns aus im Stottern
abgepreßter Luft und Regungen,
die Schmerz verband mit Wunsch nach Körpernähe,
früh des morgens, spät im Raum.
Innerst du die heiße Brandung noch,
den von Ferne schwer umtosten Sturm?
Glitzernd und betrübt vor Furcht gingst du
als frisch polierter Anker auf den Grund.
Eingefangen von Geschwindigkeiten
der vergessnen Drehung um dich selbst,
läuft hier dein aufgezognes Stehen
von der Spindel.
Hier,
gespannt durch diese Nacht,
wirst besser du elastisch,
Wachs im Sonnenwind du sein.
Vergiß mich nicht,
vergib ... dem Docht,
der Flamme nicht,
solange noch ein Weiß
zerfließt in Angst und Lust.
Andreas Hartje