Als vor Jahresfrist der Staatssekretär im Niedersächsischen Wissenschaftsministerium, Weert Börner, seinen rotarischen Freunden die Lage der Geisteswissenschaften aus der Sicht seiner Behörde erläuterte, konnte er sie beruhigen: Nein, die Geisteswissenschaften sind nicht am Absterben, sie müssen gegenwärtig nur "einen kleineren Teil dessen, was sie in der Hochkonjunktur hinzugewonnen haben, wieder abgeben". Nach wie vor werden ihre Forschungsprojekte mit Millionenbeträgen gefördert, und obwohl sie in den letzten Jahren deutlich hinter den Naturwissenschaften zurückstehen mußten, sind sie immer noch die "Hauptgewinner in de gewaltigen Hochschulexpansion der letzten zwanzig Jahre". Nur weil ihr Nutzen "schwer greifbar" ist, sollte ja man nicht denken, es gebe nicht nicht. "Ich möchte behaupten, daß wir gerade wegen der schnellen Entwicklung in den Natur-, Technik- und Biowissenschaften dringend Ergebnisse geisteswissenschaftlicher Reflexion benötigen, um zu verstehen, was sie Veränderung der Welt durch die Naturwissenschaften für uns bedeutet."
Gewährsmann des Staatssekretärs ist Odo Marquard, bis 1987 Präsident der Allgemeinen Gesellschaft für Philosophie in Deutschland: "Die - durch die experimentellen Wissenschaften vorangetriebene -- Modernisierung verursacht lebensweltliche Verluste, zu deren Kompensation die Geisteswissenschaften beitragen." Sie sind unverzichtbar, weil ohne sie "zunehmend der lebensweltliche Bedarf des Menschen nicht mehr gedeckt wäre, in einer farbigen, vertrauten und sinnvollen Welt zu leben". So Marquard auf der Westdeutschen Rektorenkonferenz 1986, deren Referenten laut Börner mehrheitlich überzeugt waren, "daß die Geisteswissenschaften eine Zukunft haben". Daraus erhellt, was Philosophie, die Geisteswissenschaft par exellence, inskünftig soll: deutend, verstehend, sinngebend, mahnend, Naturwissenschaft und Technik auf ihre moralischen Gefahren und Grenzen hinweisend -- "lebensweltlichen Bedarf" decken. Für solch gezielte Bedarfsdeckung hat die Bedarfsplanung der Ministerien länger schon und nicht nur in Niedersachsen ein offenes Ohr. Unter den wenigen akademischen Stellen, die in den letzten Jahren für Philosophie ausgeschrieben wurden, haben sich diejenigen für Philosophie der Technik und Ethik der Naturwissenschaften (oder umgekehrt) sprunghaft vermehrt, für die laut Börner der frühere Kultusminister und jetzige Philosophieprofessor Hans Maier die Arbeitsplatzbeschreibung geliefert hat: "Antworten geben können über Sinn, Ziel und Ordnung menschlichen Handelns in einer von Naturwissenschaften und Technik geprägten Welt".
Das philosophische Problembewußtsein der zuständigen Behörden hat sich also deutlich gehoben -- in dem Maße, wie das Problembewußtsein der Philosophen von dem einer Behörde ununterscheidbar geworden ist. der Konsens über die bedarfsdeckende Rolle der Philosophie, der hier gedeiht und sich in Institutsgründungen, Stellenzuweisungen, Drittmitteln wirkungsvolle ausspricht als in Beiträgen zur Postmoderne-Diskussion, beginnt sich nun auch auf dem Buchmarkt niederzuschlagen. So erscheint derzeit eine philosophische Reihe, die sich einmal als Trendsetter erweisen könnte: Ethik der Wissenschaften. Sie dokumentiert die Kolloquien einer Studiengruppe de Werner-Reimers-Stiftung, die auf der Basis von Marquards Formel Naturwissenschaft = challenge, Geisteswissenschaft = response Neuland erforscht. Marquard gehört denn auch zur "Kerngruppe", die in der Diskussion mit wechselnden Partnern aus Philosophie und Fachwissenschaft Antworten auf ethische Fragen sucht, die die Errungenschaften der Medizin und Genbiologie, das wissenschaftliche Experimentieren mit Menschen und Tieren, Atomenergie und Abschreckungspolitik aufwerfen.
"Frei wäre erst, wer keinen Alternativen sich beugen müßte, und im Bestehenden ist es eine Spur von Freiheit, sich ihnen zu verweigern", heißt es bei Adorno. Die Weigerung, die er meinte, ist die des Denkens, sich vorab dem Sog von Ja und Nein, Pro oder Contra zu überlassen, den objektive Zwänge permanent auf die Subjekte ausüben. Nur wo diese Weigerung erfolgt, ist ungegängeltes Denken allenfalls noch möglich. Sie zu unterbinden gehört zur Arbeitsplatzbeschreibung der neuen Wissenschaftsethik. Antworten soll man geben, und wenn man keine parat hat, wenigstens anfangen, welche zu entwickeln. Und schon ist man im Fahrwasser der Alternativen. Da ist zum Beispiel die Genbiologie. Unweigerlich provoziert sie die Frage: Darf man überhaupt in die Erbsubstanz eingreifen? Und wenn ja, nur in die von Pflanzen und Tieren oder auch in die von Menschen? Da soll nun der Philosoph eine ethische Antwort geben. Wird er undifferenziert die ganze Genbiologie verwerfen, nur weil sie mit menschlichen Embryonen im Reagenzglas experimentieren oder tödliche Bakterien erzeugen kann? Nein, er wird darauf verweisen, daß sie auch Insulin produziert, bald vielleicht sogar Erbkrankheiten bekämpft, und zu einem ausgewogenen Urteil kommen: Die Wissenschaft an sich ist jenseits von Gut und Böse, nur ihre Anwendung nicht. also wird er zum verantwortlichen Umgang mit der Wissenschaft aufrufen: Nicht alles, was technisch machbar ist, darf auch getan werden. Darüber hinaus wird er zugeben, daß die exakte Grenze zwischen Erlaubtem und Verbotenem vorerst strittig ist, was in einer pluralistischen Gesellschaft mit verschiedenen Normen und Werten ja gar nicht anders sein kann, daß man auch nicht genau wissen, wie man hier vorankommen soll, ohne den Pluralismus selbst in Frage zu stellen, daß aber gerade deshalb der Dialog mit den Naturwissenschaftlern unabdingbar sei.
Oder kann etwas anders herauskommen, wenn die Weichen so gestellt sind? Hans Jonas: Der Mensch kann "zwar ohne das größere Gut, nicht aber mit dem größten Übel leben", woraus folgt, "daß das heutige Ziel in der Bescheidung der Ziele liegt", was "schon den Entstehungsprozeß technischer Erfindngen beeinflussen sollte". Mit anderen Worten: Nicht alles tun, was man kann. Hans Lenk: "Es ist in der Spitzenforschung wie im Spitzensport: In beiden Konkurrenzsystemen ... gibt es die Verführung zur Unfairneß", weshalb eine "moralische Wächterdisziplin" her muß. Otfried Höffe: "Erstens steht es dem Menschen nicht frei, beliebig zu handeln; er darf nicht alles, was er kann. Zweitens ist der Mensch aufgefordert, von jenem naturwüchsigen Handeln abstand zu nehmen, das nur vom Selbstinteresse, der Macht des Stärkeren und sozialen Konventionen bestimmt ist; statt dessen ist er aus sittlicher Perspektive verpflichtet, die Interessen der Mitbetroffenen zu berücksichtigen", was auf Tierversuche angewendet heißt: Sie sind zu minimieren. Odo Marquard: "Zensur der Forschung im Namen der guten Sache", wie sie jahrhundertelang die Theologie geübt hat, verletzt die Neutralität der Wissenschaft, ihr Recht "vorbehaltlos neugierig" zu sein und "folgenlos zu irren", daher der ethische Grundsatz "Nicht alles tun, was man kann" auch auf die Wissenschaftsethik selbst anzuwenden ist: Nicht jede Beschränkung, zu der man fähig wäre, ist auch gut für die Wissenschaft. Elisabeth Ströker: Zwar gilt dem "Problempotential einer Ethik der Wissenschaften" bereits "die volle philosophische Aufmerksamkeit", "ohne daß indessen das allgemeine ethische Instrumentarium schon so weit fortgebildet wäre, daß klar genug entschieden werden könnte, ob der Weg in eine philosophisch wirklich fundierte, durch präzise Grundsätze und Prinzipien zu systematisierende Wissenschaftsethik geht, die dann als 'neue' Ethik würde gelten können; oder ob es sich bei ihr um einen neuen Bezirk der überkommenen philosophischen Ethik handeln wird". Weshalb also tiefgreifende Diskussionen darüber zu erwarten sind, wie neu die neue Ethik wirklich ist, wie normativ ihr "Man darf nicht alles, was man kann" sein soll, wie das "ethische Instrumentarium" auszusehen hätte, mit dessen Hilfe man von "Prämissen, die allen, den meisten oder den Weisen als wahr erscheinen" (Höffe), zu plausiblen Handlungsanweisungen für den Wissenschaftler im Alltag gelangt. Einige verheißungsvolle Vorschläge -- "Warum sollte es nicht eine Art Bundesbeauftragten zur Wahrung der Interessen nachkommender Generationen geben?" (Lenk) "Ethikkommissionen mit legaler Entscheidungskompetenz", "vom Bundestag einzusetzen und mit moral- und fachkompetenten Mitgliedern entsprechend dem ethischen Pluralismus der Gesellschaft zu besetzen" (Werner Becker, Bd.4) -- liegen schon auf dem Tisch.
Dies alles sind Zitate von Philosophen. Sie zeigen, wohin der heteronome, vorab auf eine bestimmte Aufgabenstellung verpflichtete philosophische Gedanke tendiert: zum Gemeinplatz, solange er theoretisch bleibt, zur amtlichen Vefügung, sobald er praktisch wird. Er führt zu nichts, was Behörden nicht auch ohne in ins Werk setzen könnten, aber er ist der Ausweis dafür, daß man sich Gedanken macht, und zwar ethische. Der wissenschaftlich-technischer Fortschritt dringt ja gleichsam selbst auf die Entwicklung eines ihm angemessenen "ethischen Instrumentariums". Der kategorische Imperativ, der ihm innewohnt, lautet: Reguliere mich so, daß ich jederzeit allen ein Gesetz sein kann. Dies ist die Grundmaxime der Wissenschaftsethik, die schon durch ihre Sprache zu erkennen gibt, daß sie von Wissenschaftsplanung kaum unterschieden ist und jener damit zugleich bescheinigt, selbst fast schon Ethik zu sein. Diesen Nimbus kann sich die Wissenschaftsplanung nicht selber geben; deswegen hat sie von der Wissenschaftsethik eine so hohe Meinung.
Wenn die Philosophie die Sache der Verwaltung vertritt, wer vertritt dann die Sache der Philosophie? Bei den Kolloquien der Werner-Reimers-Stiftung vielleicht noch am ehesten die Naturwissenschaftler. Wo Mediziner und Genbiologen sachkundig und für Laien verständlich aus ihrem Fachgebiet dessen philosophisch-moralischen Probleme hervortreiben (z.B. Friedrich Cramer in Bd.3, Hermann Hepp in Bd.4), sind die Vorträge sofort spannend und deuten überdies eine Umkehrung an. Der Wissenschaftler, der dem Druck widersteht, sich gefälligst nur um sein Forschungsprojekt und dessen Naturgesetze zu kümmern, der die geistige Kraft aufbringt, auf diese Gesetze zu reflektieren und ihrer metaphysischen und moralischen Implikationen gewahr zu werden - dieser Nichtphilosoph wird zum Statthalter einer philosophischen Besinnung, zu der es durch Überweisung der Probleme zur Weiterbehandlung an den philosophischen Kollegen -- nicht kommt. In dem zur Selbstreflexion fähigen und bereiten Naturwissenschaftler blitzt etwas von der konkreten Verantwortung auf, die erstickt wird, sobald Berufsethiker Kriterienkataloge für sie entwickeln.
Daß in der Etablierung einer Wissenschaftsethik sich das Staatsinteresse bekundet, die Menschen auf die Unabänderlichkeit des gegebenen wissenschaftlich-technischen Fortschritts einzuschwören und ihn durch Normen und höhere Sinngebung schmackhaft zu machen, ist überdeutlich. Das Vertrackte ist nur, daß ausgerechnet dabei die Philosophie zugleich beim Point d'honneur gepackt wird: etwas Sachhaltiges auszusagen. Es ist ja nicht so, daß Atombomben oder Retortenbabies sie nichts angingen, daß sie darüber zur Tagesordnung der soundsovielten Ausdeutung Platons bis Nietzsches übergehen könnte. Philosophie, die nichts ist als Exeget ihrer eigenen Geschichte, die nichts tut, als über Philosophie zu philosophieren, drischt ihre eigenen Begriffe zu Phrasen. Der lebendige philosophische Gedanke ist nicht autark; er entzündet sich an Nichtphilosophischem: den Problemen, die sich allen denkenden Zeitgenossen aufdrängen. Seine Unabhängigkeit ist relativ - verwiesen auf die Realität, von der sie sich ernährt. Und das heißt in diesem Fall: Von den Problemen, die Naturwissenschaft und Technik aufwerfen, kann er nur um den Preis seiner eigenen Sachhaltigkeit absehen. Er hat sich sehr wohl an ihnen zu entfalten - aber dabei seine eigenen Wege zu gehen. Und die führen ihn womöglich, wohin das Staatsinteresse nicht will: zu scheinbar entlegenen Fragen, die den Problemen aber näher treten als höherenorts je beabsichtigt war.
Wie steht es eigentlich um den Nominalismus, jene philosophische Richtung, die im 14.Jahrhundert als kritisches, fortgeschrittenstes Bewußtsein auftreten konnte, weil sie die Begriffe in den menschlichen Köpfen nicht länger mittelalterlich interpretierte als geistigen Ausdruck des inneren, von Gott gefügten Wesens der Dinge, sondern nüchternmodern als bloße nomina, Namen, in denen sich die Subjekte, die an sich unstrukturierte Welt wie in Sammelordnern zurecht legen? Ist es nicht zutiefst nominalistisch, die Welt als eine an sich gott- und gestaltlose Masse, res extensa, aufzufassen, die alle Gestalt und allen Sinn erst durch die sie ordnenden Subjekte empfängt? Liegt hier nicht aber die Wurzel für den neuzeitlichen Begriff des Objekts als einem an sich wesenlosen, gleichgültigen, austauschbaren Ding, das nichts ist als aus ihm gemacht wird? Und ist nicht der Inbegriff dieses Objekt die Ware? Ist nicht der potentielle Warencharakter aller Dinge die geheime Voraussetzung dafür, daß die Natur systematisch auf den Seziertisch geriet? Ist es nicht die nominalistische Stellung des Gedankens zur Objektivität, die den Gesellschaftsprozeß zur allgemeinen Warenzirkulation bestimmt hat, der nur Bestand vergönnt ist, sofern sie sich ständig ausweitet und wissenschaftlichen Fortschritt nur im Rahmen ihres eigenen Expansionszwangs gedeihen läßt? Die sich umgekehrt durch diesen Gang der Dinge so in den Köpfen befestigt hat, als wäre sie Natur und es daher auch als nur natürlich erscheinen läßt, daß man die Nützlichkeit von Forschungsergebnissen an ihrem potentiellen Erfolg als Waren bemißt? Die den stattfindenden wissenschaftlichen Fortschritt ebenso wie das Ware-Sein der Arbeitskraft für moralisch neutral hält und gut und böse erst auftreten sieht, wo es um deren Anwendung geht?
Das ist nur eine kleine Auswahl der Fragen, die von der Wissenschaftsethik gar nicht erst gestellt werden. Sie scheiden aus der Diskussion ebenso systematisch aus wie gewisse Autoren. Jener "Technikphilosoph", der diesen Namen, wenn überhaupt einer, am ehesten verdient, weil er bereits Mitte des letzten Jahrhunderts sehr genau darstellte, in welcher Weise, unter welchen gesellschaftlichen Bedingungen und zu welchen moralischen Gestehungskosten die Entfesselung der "Maschinerie und großen Industrie" stattgefunden hat, die bis heute das beharrliche Fundament des rapiden Fortschritts ist -- er findet allenfalls Erwähnung, wenn vor falschen Utopien, vor moralischer Überforderung oder den Mißständen im Ostblock gewarnt wird: Karl Marx. Und derjenige, der Mitte dieses Jahrhunderts, als noch kein Mensch von Wissenschaftsethik redete, die politischen und moralischen Voraussetzungen und Konsequenzen der Atombombe schonungslos offenlegte, wird ganz diskret behandelt: Günther Anders.
Es ist klar, warum: Philosophie soll nicht auf die materiellen und geistigen Bedingungen reflektieren, die den Fortschritt zur Atombombe und Genmanipulation möglich machten, sondern sagen, wie man jetzt mit ihm fertig wird. Sie soll ihn als Sachzwang hinnehmen -- und sachhaltig auf ihn antworten. Und genau diese Vorgaben verträgt der philosophische Gedanke nicht. Beim Bemühen, auf der Stelle konkret zu werden, entleert er sich in Gemeinplätze über Verantwortung gestern und heute oder in potentielle Ministerialerlasse und gibt zu erkennen: Auf Kommando sachhaltig zu werden ist eben nicht seine Sache. Die hat Lessing schlagend formuliert: "Es ist nicht wahr, daß die kürzeste Linie immer die Gerade ist." Gemünzt war dieser Satz eigentlich auf die Geschichte, die schon damals nicht danach aussah, als laufe sie geradlinig Sittlichkeit und Glück der Menschheit hinaus. Dennoch ist für Lessing nicht ausgemacht, ob sie nicht auf ihre Weise -- genau dies tue; denn Vernunft und Moral entwickeln sich nicht nach geometrischen Gesetzen -- stromlinienförmig. Lessings Hoffnung richtete sich auf die Kraft der Reflexion und die Unverfügbarkeit ihrer Verfahrensweise, darauf, daß die Umwege, die sie einschlägt, sich einmal als der Weg ihrer stetigen Vervollkommnung erweisen möchten. Solche Hoffnung ist heute aufs äußerste strapaziert und doch nicht ganz auszurotten. Der philosophische Gedanke kann ohne sie nicht sein. Er drückt sie nicht aus im Entwerfen rosiger Zukunft, sondern in der Unfähigkeit, sich bei irgendeinem Sachzwang zu beruhigen: schon gar nicht beim scheinbaren, zu dem Wissenschaft, Technik und Politik sich in der modernen warenproduzierenden Gesellschaft zusammengezogen haben, aber auch nicht beim wirklich unabänderlichen, den Vergänglichkeit und Tod darstellen. In seiner Eigenart, nur sachhaltig zu sein, wo er ungegängelt Umwege gehen darf und nicht sogleich mit Ja und Nein Auskunft geben muß, ist er selber die Miniatur jener emphatischen Freiheit, deren volle Verwirklichung ihn einzig zur Ruhe brächte.
"Ernsthafte Philosophie geht zu Ende", sagt Max Horkheimer. "Die Geisteswissenschaften haben große Chancen", sagt Staatssekretär Börner. Beide widersprechen einander nicht. Die Geisteswissenschaft, die der eine meint, wird ungehindert erblühen, wie die Philosophie, von der der andere sprach, nicht mehr ist.
Christoph Türcke
Der Text ist aus Kritik & Krise Nr.1. 1989.