"Warum sollen wir moralisch sein?" lautet die Frage des diesjährigen Aufsatzwettbewerbs des Philosophischen Instituts an der Universität München. Ging es letztes Jahr noch darum, das Vokabular der analytischen Erkenntnistheorie zu reproduzieren und zur Antwort auf die Frage zusammenzustellen, ob man etwas über einen Sachverhalt wissen könne, ohne sich sicher zu sein, daß er besteht, so sollen sich die JungphilosophInnen heuer mit wahrhaft praktischen Fragen beschäftigen.
Der gelehrige Philosophieschüler könnte nun nachdenken, wie es dazu kommt, daß wir moralisch handeln und darin einige psychologische und pädagogische Momente entdecken. Die Frage lautet aber nicht, warum wir moralisch sind, sondern warum wir moralisch sein sollen. Er oder sie kann dann anfangen über moralische Inhalte zu sinnieren, über das Gemeinwohl und der Verantwortung ums Ganze. Aber auch um das, was wir sinnvollerweise tun geht es nicht, sondern darum, warum wir moralisch sein sollen; und zwar nicht um´s moralisch handeln, so könnte ein sprachphilosophisch geschulter Jungakademiker meinen, sondern um´s moralisch sein — und dann fortfahren den besagten Satz zu analysieren.
Dabei ist die Frage doch gar nicht so schwer zu beantworten. Warum sollen wir denn nun eigentlich moralisch handeln?
"Doch der Zusammenbruch ist wie schon das Programm der kommunistischen Weltrevolution das Ergebnis einer unglaublichen Hybris. ...da sich das Denken vom christlichen Glauben emanzipierte, [und] meinte, die Sache des Menschen allein auf die Vernunft gründen zu können." (Jürgen Busche, SZ 7.9.91)
Florian Beck