So manch einen imperialistischen Politiker mit ornitologischen Namen hatte die Linke ja schon in den 80ern im Fadenkreuz ihrer Kampagnen oder Kritik: Hieß er nun Bernhard Vogel (CDU), Hans- Joachim Vogel (SPD) oder hieß es einfach: Stoppt Strauß!!! Daß die da eine Vogel-Strauß-Politik verbraten hätten oder kriegslüsternde Falken wären, wurde symbolisch damit erklärt und charakterologisch übersetzt , dass diese wohl entweder einen Vogel hätten oder aber Raubvögel des Wesen nach seien.
Nicht
nur seit linker Gewahrwerdung von
Legebatterien, unglücklichen „KZ“- Hennen, ernährungskalorisch bedenklichen,
weil fetttriefenden Wienerwaldhändels und plakativ in der Friedensbewegung zum
Kultsymbol aufgestiegenen Friedenstauben genoß die Welt der Vögel schon immer
symbolischen Wert : Sei es als Symbol der Freiheit, sei es als Symbol der
Stärke und/oder der Nation (Reichsadler/ Pentagon Adler/ der American Eagle/
französischer Hahn) , sei es als Symbol des Friedens (Taube) oder des
Militarismus (Falke).
Zierten
in der deutschen Geschichte Adlerschwingen die Kriegshelme von Wilhelm II:,
Reichsadler deutsche Parlamente , so war der fette, dekadente Bundesadler der
Bonner und auch Berliner Republik Anlaß von so manch nationalsymbolisch
mitdenkender Kritik.
Credo:
Könnte der Greif nicht etwas griffiger sein!!!
In
der Werbung wurden die jeweiligen Vogelsorten zur Unterstreichung des jeweilig
angeblichen Produktcharakters eingesetzt.
Das neue revolutionäre Subjekt: Virtueller Phönix aus irrealer Asche - Gramsci mediengesellschaftlich: Kampf um die Besetzung von Symbolen
Die damalige Linke setzte die Vogelsymbolik auf Plakaten ein, die sie noch selbst produzierte und in jeweilige von ihnen mitgegebene Kontexte zu setzen versuchte. Da aber die erhofften revolutionären Subjekte – sei es die Arbeiterklasse, die 3. Welt, die Subkulturen, die Lumpenproleten- nicht die in sie projezierten Hoffnungen erfüllten oder aber kräftemäßig scheiterten, gibt es nun verbliebene Teile der Linken, die da den Spieß umdrehen und in der kapitalistischen Massenkultur eingesetzte Symbole und Produkte nun als antikapitalistische , vielleicht auch mal revolutionäre Subjekte umdeuteln wollen.
Zumal
ja auch seit der Expansion der Privatmedien, Internet und Werbung man nicht
mehr nur die ausgewogene schläfrige Öffentlichrechtlichkeit als alleinigen
agit-proplerischen Gegner hatte. Soviel
Ohnmacht der Linken und soviel infralogistische Übermacht der Reaktion lässt
dann auch verzweifelte Schwingen der Freiheit wachsen.
Klassenkampf virtuell und ganz multimedial: Give me more!
Es war einer jener ( von den Massen schlecht frequentierter) Studentenvertretungstage, als mir ein GEW-Referent euphorisch entgegenkam und verkündete: „MOREHUHN! IS´GEIL!“. War ich mir der Bedeutung seiner Worte noch nicht gänzlich gewahr und glaubte ich auch nicht, dass er mangels Masse dem Wahnsinn oder der Sodomie verfallen war, so erfolgte schon umgehend Aufklärung:
Da
gäbe es ein neues Computerspiel - downzuloaden übers Internet - namens: Morehuhnschießen. Eine unterhaltsame
und völlig subversive Sache zugleich, die schon empirisch erhebliche
klassenkämpflerische Subordination gegenüber dem Kapitalismus gezeitigt hätte.
Sekretärinnen, Angestellte, ja die gesamte vernetzte Arbeiternehmerklasse
schieße virtuell auf Morehühner, überlaste damit ganze kritische
Infrastrukturen der Konzernkommunikation. Das sei Huhn im Getriebe und hätte
die Chefs und Bosse verärgert.
Was
da euphorisch entgegenklang, zeigte sich ja auch umgehend im klassenkämpferischen Widerstand beim
ÖTV-Streik oder bei der Rentenreform. War dies zugegebnermaßen mal wieder
nichts in Sachen Klassenkampf seit 1945, konnten die
Arbeiternehmerklssenvertreter zumindestens sagen: Rumgesessen sind wir nicht
beim kartenspielen, sondern haben zumindsetens subversiv Morehühner geschossen.
Zumal:
Ein
neuer Bündnispartner für die
Agitpropfront so verstandenen Klassenkampfes wurde dadurch freilich gewonnen:
Wigand Bohning samt Morehuhn- Song. Give me more!!!
Wie
ein anderer Kenner der virtuellen Klassenkampfszene aufklärte: Progressiv!!
Gerade
der Humorist sei äußerst subtil und vor allem antikapitalistisch, da der
multimediale Hofnarr ja die Stimmen der Unterdrückten, wenn auch sehr verdeckt,
ganz versteckt und esoterisch artikuliere, aber gerade dadurch die Saat des
Aufstandes besonders breit versame.
Daß
dies den Herrschenden entgangen sei, frequenzbedingt unterschwellig jede
Klassenzensur unterschwinge –gerade darin liege ja exakt die
subversiv-revolutionäre Dialektik des Morehuhns!!! Und noch einmal „zumal“: Nicht theoretisches Gequatsche, sondern
Aktion, Praxis und Tat statt Wort. Give me more!
Nun
sind die Morehühner im WorldWideNet virtuell-internationalistisch fast alle
abgeschossen. Und real? Die Gegendemonstrationen beim WTO-Gipfel in Seattle
(„Beginn eines antikapitalistischen Klassenkriegs“- SWP/Linksruck) waren recht
zahm, zumal von nationalistisch-verhetzten US- Gewerkschaftern besucht, die
zusammen mit Pat Buchanan (rechter als Bush jr) gegen einen WTO-Beitritt Chinas
demonstrierten. Die erhofften ÖTV-Streiks und der von den Gewerkschaften
angekündigte „heiße Herbst“ blieb aus. Wohl deswegen gilt die nächste mediale
Flucht nach vorne und liest man im neusten
LINKSRUCK: „CHICKEN RUN- ANTIKAPITALISTISCHE HÜHNER“
„KZ“- Hühner begehren auf. Eine echt lesenswerte Interpretation klassenkämpflerischen Potentials und Ortung zukünftig revolutionärer Subjekte. Unterdrückte aller Legebatterien begehrt auf!! Solch feuilletonistischer Kulturkampf kann nur desperaten Neolinken einfallen, die mittels marxistischem Vegetariertum/ Veganertum schon nahezu alle Hoffnungen in die Gattung Mensch fallen lassen haben. Man kann echt schon mal gespannt sein, ob der Linksruck da demnächst mit Leinwandhühnern beim übernächsten Prag mobilisiert . Man will ja eine „Bewegung“ aufbauen, eine Vernetzung, aber scheinbar keine revolutionäre, Organisation, gar Partei mehr. Alternative ist angesagt. Die Adjektive im Aufruf sind mal links, antikapitalistisch, mal sozialistisch, kommunistisch schon gar nicht. Auch egal:
„Die Bewegung ist mir alles, das Ziel ist mir nichts“ (Bernstein/SPD). Da können perspektivisch virtuelle Massen uminterpretierter Freiheits- „KZ“- Hühner die Bewegung nur stärken. Das Böse ist nirgends und überall, ebenso die Bündnispartner – nämlich: „Global“. Vielleicht ist auch das Lackrotleder von Britney Spears ein indirekter Ausdruck kommunistischer Gesinnung oder der neuste Gröhlemeier ein revolutionärer Gockel, der seine revolutionäre Henne noch nicht gefunden hat. Vielleicht sollte er auch nicht nur gegen die NPD singen, sondern auch gleich noch die Chickenhühner ganz antifaschistisch- vegetarisch aus ihren „KZs“ befreien. In Slow motion – damit keine Bewegung übersehen wird bei weiteren Geschichten aus dem Wienerwald. Merke: Die virtuelle Henne in ihrem Lauf, hält weder Geschichte noch Klassenfeind auf ! (ro)