Kürzlich, im Münchener AStA, tauchte der Linksruck-Hochschulgruppenleiter samt Gefolge auf, um aus dem Antifareferat ein Anti-Nazi-Komitee zu machen. Im folgenden kommt keine Kritik an dieser Organisation (hier genügt, dass sie Miloševiæs Sturz für eine Revolution halten, sich zur Lösung des Nahostkonflikts mal was orginelles haben einfallen lassen: dass »beide Seiten friedlich zusammenleben« nämlich, und dass sie generell Sozialneid für eine Kritik am Kapitalismus halten); sie soll exemplarisch für die Hoffnung stehen, dass an den Staatsbürgern die gegen die NPD demonstrieren irgendwas fortschrittliches wäre und das man aus denen was machen könnte. Diese Hoffnung trügt.
Die Trennung zwischen den erprobten Antifaschisten und
den jetzt an den Demonstrationen hin und mal teilnehmenden Bürgern ist von der
NPD-Kampagne nicht wegzudenken. Mit großer Enttäuschung erleben Antifas, dass
die Massen, die sie jetzt auf ihrer Seite wähnen, zurückschrecken, sobald mal
ein Infotisch umfällt. Das liegt aber nicht daran, dass die »Massen« noch
nicht bereit wären, so weit zu gehen. Es liegt vielmehr an einer recht
grundsätzlichen Unterscheidung. Die Demonstranten verteidigen die
Staatsräson und werden eines garantiert nicht tun: das staatliche Gewaltmonopol
verletzen.
Denn die Verletzung des staatlichen Gewaltmonopols ist
einer der Gründe für den heute vom deutschen Staat propagierten Antifaschismus.
Schon zu Zeiten der Lichterketten, als die Vertreter des Staates dem Anliegen
ihres Volkes prinzipiell Recht gaben, dass generell zu viele Ausländer
da wären – also weggehören, wurde dem kriminellen Verstoß gegen das
Gewaltmonopol entgegengetreten. Ein paar verbrannte oder beinahe verbrannte
Menschen waren da nebensächlich, angesichts des Mobs, der die Strassen regierte
und der Polizei die nur zusah: da habe der Rechtsstaat kapituliert. Und
das mag kein Staat zulassen, die BRD zuallerletzt.
Die staatliche Ausländerpolitik hat sich mittlerweile
geändert. Rassismus in Zeiten der Green Card ist halt nicht mehr derselbe wie
zu Zeiten der »Das Boot ist voll«-Politik. Die BRD greift mittlerweile nicht
mehr nur nach den Reichtümern der ganzen Welt, sondern auch auf der ganzen Welt
nach brauchbaren Menschen. Dazu passt es schlecht, wenn einer der gern
gesehenen Ausländer aus Angst vor Glatzköpfen nicht herkommt. Anders als zu
Zeiten der Lichterketten wird der Befund nicht mehr geteilt, dass es generell
zu viele Ausländer in deutschen Landen gäbe. Ob ein Ausländer zu viel ist, will
der Staat künftig danach unterschieden wissen, ob er brauchbar ist oder nicht.
Das ist ein ganz anderes Kriterium als das, ob einer deutschblütig ist – auch
dann, wenn damals Ausnahmen gemacht wurden und heute die
Blutsdeutschen immer noch Privilegien genießen. Und anhand dieses Kriteriums
wird auch von ganz anderen entschieden, nicht mehr von der Glatze auf der
Straße.
Dass da eine andere Politik angesagt ist, heißt nicht,
dass jetzt idyllische Zeiten für Ausländer anbrechen. Oder dass es doch nicht
ganz so schlimm wird. So einen Fehler kann auch nur der machen, der Nazis immer
nur in Kategorien von »Wehret den Anfängen!« zu erfassen und als Vorboten eines
neuen `33 zu begreifen vermag. Wer bei dem, was sich die BRD heute herausnimmt
noch von »Anfängen« reden mag – dem ist nicht mehr zu helfen. Und weltweit
herausnehmen wird sich die BRD künftig noch mehr.
Darum ist auch an der neuen Ideologie nichts Positives
zu verzeichnen. Zum einen, weil auch ein vielgelobter Staatsbürgernationalismus
mit dem imperialistischen Selbstbewusstsein der BRD verträglich wäre; zum
anderen, weil der Staat mit seinem Rassismus und seiner blutsdeutschen
Begründung gar nicht Schluss machen will, sondern seine Durchsetzung BGS und
Justiz überlässt – auf dass die Aktivbürger keinen nicht wiedergutzumachenden
Fehler an einem indischen Geschäftsmann begehen.
Der staatlich verordnete Antifaschismus und die ihn
exekutierenden Anti-Nazi-Komitees haben mit einer Analyse des Faschismus oder
des bürgerlichen Staats und den daraus eventuell fälligen praktischen Konsequenzen
nichts zu tun. Vielmehr geht es erstens um den Befund, dass »wir«, die deutsche
Nation ein Problem haben; zweitens ist damit ein Auftrag
verbunden, nämlich der »Aufstand der Anständigen«; und der ist wirklich so zu
verstehen (und nicht etwa als ein Versuch, Nazidiktion unter den Anständigen
heimisch zu machen): alle guten Deutschen sollen sich dieses Problem ihrer
Nation zu eigen machen und anständig, also ihrem Stand in der Gesellschaft
gemäß, dafür sorgen, dass das staatliche Gewaltmonopol unangefochten bleibt,
günstige Bedingungen zur Verwertung des Menschenmaterials geschaffen werden und
die Sortierung in brauchbare und unbrauchbare Menschen gebilligt wird.
Die Lösung wird demokratisch verhandelt. Ob nun
ein Verbot der NPD die richtige Lösung sei, oder man die Nazis nur in eine
andere Organisation treibt; ob man in die Mitte der Gesellschaft »hineinwirken«
und die patriotischen Begriffe selber besetzen soll (PDS); ob man grundsätzlich
als Linke Bedenken hat, extremistische Parteien zu verbieten, weil das
Beckstein Argumente gegen die Extremisten von Links und Rechts liefern würde:
das ist genau der demokratisch übliche Diskurs, der Problemstellung und daraus
abgeleiteten Auftrag schon gefressen hat.
Dass dieser demokratischen Diskurs dennoch nicht geradlinig
in der Zerschlagung der NPD kumuliert,
also im Verbot einerseits, in Anti-Nazi-Komitees andererseits, ist keine
Überraschung. Die realen Möglichkeiten der NPD, die neue staatliche
Ausländersortierung zu bekämpfen, fällt ja recht gering aus. So geht es denn
auch mehr um den Zusammenschluss des Volkes mit seinem Staat hinter der neuen
Politik und der Abgrenzung gegenüber mit der demokratischen Staatsräson
unverträglichen Ansichten. Diese ideelle Abgrenzung gegenüber einer nicht mehr
zeitgemäßen Politik findet ihr Symbol in der NPD. Das Verbot der NPD würde die
demokratischen Politiker endlich mit einem Argument gegen die Nazis ausstatten.
An ihrem Programm ist die Gegnerschaft nämlich schwer auszumachen. Dieser
Nationalismus ist nicht strafbar.
Von der doppelten Staatsbürgerschaft über die Green
Card bis zum NPD-Verbot geht es immer um das gleiche Thema: wie man standortgemäß
mit den Ausländern umzugehen hat. Und an der Frage, ob etwas standortgemäß ist
entscheidet sich, was guter und was schlechter Nationalismus ist.
Aufgrund dieses recht grundsätzlichen Problems ist es
auch Unsinn, von einer Konkurrenz um rechte Wähler zu sprechen; erstens kommen
die nicht aus dem blauen Himmel, also unabhängig von der staatlichen Ausländer-
und Asylpolitik vor; zweitens geht der zur Zeit anberaumte gesellschaftliche
Streit um guten und schlechten Nationalismus nicht um die Konkurrenz zwischen
Parteien. Auch in der CSU (und anderen Parteien) mag es den ein oder anderen
Ausrutscher hin zum schlechten Nationalismus geben. Mehr als Ausrutscher sind
das tatsächlich nicht. Auch in der CSU hält niemand für einen echten
Nationalismus, was dem Standort schadet. Wer also gegen die NPD und
rassistische Tendenzen in der CSU »rote « Karten zückt, setzt sich für den
standortgemäßen guten Nationalismus ein.
Wer die urdeutsche Sache nach einem ausländerfreien Land durchsetzten will, verstößt künftig gegen die internationale Nutzbarmachung von Land und Leuten. Und damit gegen die Interessen Deutschlands – und kann daher kein guter Nationalist sein. (fb)