Vorwort

 

Der Rinderwahnsinn ist in aller Munde, ob nun als Fleisch oder als Thema obskurer Schuldzuweisungen wie folgender: Die Bayrischen Bauern sind geschockt. Selbst in sog. »Vorzeigebetrieben« grassiert die Seuche. Wie kann das sein? – Wahnsinn, das ist doch kein Erzeugnis des guten bayrischen Bodens, da muß doch wer anders dahinterstecken! B5aktuell hat die Lösung. 1996 wurde über Italien Kälberkraftfutter importiert. Selbiges wurde veranstaltet von einer Tochterfirma eines amerikanischen Futtermittelgiganten (wahrscheinlich ein global Player!) und der Preis war so niedrig, dass die arglosen bayrischen Bauern den 30% Tiermehlanteil gar nicht bemerkten (freilich: 30% von wenig sind weniger als 30% von viel ergo nach Adam Riese: gekauft! – Hat der Bauer ein Gymnasium besucht, dann könnte er auch mit Wahnsinnswahrscheinlichkeit multipliziert mit Wahnsinnsschaden als Erwartungswert und den dann verglichen mit dem Anstieg der Versicherungsprämie im Wahnsinnsfall gerechnet haben, gerechnet haben die Bauern jedenfalls, sonst hätten sie es wohl niemals zum »Vorzeigehof« gebracht, der muß sich nämlich auch billanzmäßig vorzeigen lassen, sonst taucht der Bauer ab und dann vielleicht irgendwann in der Statistik über die relative Abnahme der Landbevölkerung wieder auf.) Das Zwangsgesetz der Konkurrenz als eigene Schläue (Bauernschläue) verinnerlicht, freuten sich die Bauern zunächst über das Futter und kauften es also. Dabei hätte es auch damals schon jeder Bauer, der was von seinem Handwerk versteht, wissen können, in der Schweiz gab es den BSE-Zirkus ja schon 1986, aber in bayrischen Baumschulen lernt man wohl vorwiegend am Rechenschieber. – Also nichts gegen die Bauern, nur die bösen USA sind nicht schuld an ihrer Misere, sondern die Tatsache dass die Maxime auch der bäuerlichen Ökonomie eine kapitalistische Rechnung ist, was sie sich vielleicht mal klarmachen sollten. Was BSE für die Leute, die Fleisch essen wollen, bedeutet, hat die Stadt München mit ihrer weihnachtlich-wohltätigen alljährlichen Obdachlosenfütterung im Hofbräuhaus so schön demonstriert, dass es eigentlich keiner weiteren Erklärung bedarf: Raten Sie mal was es da wohl gab.

                                                              Die Redaktion