Ein sauberer Nato-Volkskrieg für den deutschen Steuerzahler

Die VVN/BdA - Münchener Friedensini lädt ein: Wie SPD-Parteisoldat Oberst a.D. Buch den Kosovokrieg geführt hätte.

Geladen wurde Münchens friedensbewegtes Volk im Namen der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten (VVN/BdA) Mitte September 2001 zu einer Veranstaltung zu dem Bundeswehreinsatz in Mazedonien in die Seidlvilla.

Referiert wurde von einem SPD-Oberst a.D. Buch ein krudes Gemix aus Antiamerikanismus, deutschem Chauvinismus, der sich düstere Interessen in Sachen Balkan nur von Seiten des Franzmanns, der USA und der Briten vorstellen konnte, wo der Referent nach eigenem Bekunden doch ein guter Deutscher war, der keine Interessen sondern nur Humanität kenne, sodenn die Türken über Bulgarien schon wieder über Europa reinbrechen sah und bei Kritik an Menschenrechtsrhetorik ansonsten vermerkte: „Gehn Sie doch  nach Peking, wenn es Ihnen hier nicht passt.“ Analysiert und kritisiert wurden hier kein deutscher Imperialismus und seine Interessen, sondern eine falsche Kriegsführung gegen Jugoslawien, ein falsches „Konzept“. Zu teuer für den deutschen Steuerzahler, zu ineffizient, kurz zu dumm, da hier teueres Kriegsgerät nicht dazu eingesetzt wurde das jugoslawische Volk von seinen Entscheidungsträgern sauber zu trennen und so einen sauberen und effizienteren NATO-Volkskrieg zu führen, sondern durch Massenbombardements Volk zur Führung gebombt wurde und Deutschland nun Nettozahler des Ganzen sei. So nicht. 2 jugoslawischen Frauen, die da Kritik an dem Referat übten, wurde beschieden, dass hier der erste deutsche Militär sitzte, der 1975 nach Jugoslawien kam und daher die Geschichte besser kenne als diese Eingeborinnen, zum anderen klar gedeutet: Wenn sie nicht nach deutschen Spielregeln spielen wollten, dann gäbe es keinen Pfennig. Dann sollten diese Balkanvölker halt vor der EU-Tür weilen und auf ewig Armenhäuser bleiben. Wer zahlt schafft an und die Sprache des Geldes verstünden diese unzivilisierten Balkanvölker, die noch nicht mal über eine ordentliche Staatsgewalt verfügen, doch noch besser als die Sprache der Gewalt. Ansonsten halte er es mit dem alten Bismarck (den man als Sozi nicht so direkt zitieren dürfe, aber dann umso beherzter): „Für den Balkan ist mir das Blut eines jeden deutschen Soldaten zu schade“. Schonung des eigenen Menschenmaterials und der Resourcen und deren Einsatz für und die Focusierung auf das „eigentlich“ wichtige nationale Projekt: Die EU-Erweiterung wurden da eingefordert.

Meine Karte von Afrika ist Europa – wie schon Bismarck gegenüber „Weltpolitikern“ bemerkt hatte. Das soll dann deutsche Bescheidenheit sein, die auch Friedensbewegte für bemerkenswert empfanden.

Der Referent: Oberst a.D./SPD- Buch: ein steuerzahlender Apologet eines gescheiten und sauberen NATO-Volkskrieges aus dem imperialistischen Lesebuch

Nun ist ein Oberst a.D. kein so großer Motz, noch ein General und sein Wirken im Bezirk Oberbayern und seine volkstümliche und staatsbürgerliche Leserbrief-Mentalität die eines mitdenkenden und mündigen Steuerzahlers der denen da oben mal sagen und vorzurechnen gedenkt , wie´s eigentlich besser geht. Ein Indiz dafür , dass ihm die wehrtüchtige Erziehung der zivilen Basis durch den Bürger in Uniform ein Anliegen des Herzens ist, um sich so ein weiteres Forum und Unterstützerbasis zuzulegen, um dann Volkes Stimme als Volksvertreter besser nach oben melden zu können.

Sein Ciriculum vitae deutet auf gute Sachbearbeiterkenntnisse eines untergeordneten Mittelbaus hin, die er als Kompetenz , Sach- und Faktenwissen den blutigen Laien unblutig zu verdolmetschen gedenkt und für die er bei der Zuhörerschaft nicht nur hochgezogene Augenbrauen, sondern zuhörenden Respekt erntete.

Der Referent Oberst (bis vor 2 Jahren) a.D. Buch ließ auf einen erfüllten Lebenslauf zurückblicken:

1975 erster deutscher Offizier in Jugoslawien

danach (nicht chronologisch): Planungsstab des Bundesverteidigungsministerium, Abteilung Operation Research bei der nichttechnischen Forschungsabteilung der Bundeswehr in Ottobrunn

NATO-Hauptquartier: Arbeitsgruppe zu Fragen von NATO und WEU, just als das WEU-Hauptquartier von London nach Brüssel umzog

Mitglied im SPD-Bundestags-Arbeitsgruppe „Sicherheitsfragen“ und nun für ähnliches bei der SPD Oberbayern.

Ein Experte in Sachen Militär, Sicherheit und Kriegsführung also, zumal mit Gewissen und Humanismus, der beim Antikriegstag 1999 eine – wie immer auch geartete- mahnende Rede im Stalag 7 gehalten und beim Kosovokrieg Bedenken bekommen habe. Freilich nicht bezüglich des Krieges, sondern bezüglich der Kriegsführung:

„Es bestand der Imperativ zu handeln, aber ich war gegen das WIE!“. Eine einzige Steuerverschwendung, ein „dummer Krieg mit intelligenten Waffen.“ Von wegen da ala Madeleine Albright: Man könne Milosevic in 7 tagen in die Knie zwingen. Wenn schon eine Art „Banküberfall“ vorliege, müsse man sich auch Gedanken machen über „die Leute in der Bank“, die da vom Bankräuber Milosevic als Geißel genommen würden – die serbische Bevölkerung. Um einen Stockholmer Effekt, d.h. eine Solidarisierung von Geißeln und Täter zu verhindern, müsse man polizeipsychologisch klug und taktisch richtig vorgehen: Trennung von Entscheidungsträger und Volk. Dies sei im NATO-Krieg, tschuldigung bei der „Operation“ nicht geschehen, weshalb es zu einem Auseinanderklaffen von humanitärem Anspruch und inhumaner Tat gekommen sei.

Die Kritik: Der Kosovokrieg- eine eigentlich denkbar undeutsche Operation

1) Ein US-französischer Chaoskrieg statt deutscher Ordnungoperation

Dieser Kosovokrieg- keine Operation, sondern ein Krieg. Ja, man gewann „den Eindruck hier würde ein konventioneller Krieg mitten in Europa stattfinden“. So was. Ziel sei gewesen „eine Ordnung wiederherzustellen“ – stattdessen: Unordnung wohin das Auge blicke. Halt, ein US-französischer Chaoskrieg ohne deutsche Zielplanung und deutschen Ordnungssinn – drauflosbomben ohne weiter zu überlegen, diese Cowboys - denn nur an einem deutschen Wesen ala SPD-Oberst a.D. Buch könne wahre Kriegsführung genesen und die Operation ihre eigentlich humanitäre Wirkungskraft entfalten.

„Was war Besonderes an der Kosovo-Operation? Keine Strategie, keine einheitliche Führung!“ Eine deutscher Generalstab hätte da wohl mal für Ordnung und Einheitlichkeit im Chaoshaufen NATO gesorgt, wenn er mehr zu sagen gehabt hätte. Aber hatte er nicht und sei dem nicht so gewesen, da Deutschland nicht genug Logistik und Feuerkraft einbringe, daher wenig Mitspracherecht und die Kraft des Faktischen auf seiner Seite habe. Neben diesem Gemäkel und Gequäke in Sachen Macht-, Logistik- und Bündnisfragen, folgte dann auch die inhaltliche Kritik, wie denn ein einig deutsches Vaterland a la Buch Krieg zu führen gedenke.

 

2) Fehlende „richtige Konditionierung“: Abschrecken statt umbringen“ - von der „Illegimität zur Legimität“ bomben - fehlende Spaltung Milosevic & Co vs. Volk wg . mangelnder Differenziertheit in der Zielplanung: Infrastruktur der Entscheidungsträger vs. Infrastruktur des Volkes

Vor allem hätte es unterschiedliche Sorten von Infrastruktur gegeben – im wesentlichen Infrastruktur des Volkes und Infrastruktur für die Industriebarone, die Milosevic unterstützen. Von daher hätte es „viel Spielraum bei der Zielplanung gegeben“, die aber vor allem von den USA und Frankreich , „die diese technischen Gerätschaften haben“ eben deswegen bestimmt worden sei. „Nicht uneffizient“, aber nicht differenziert und nachhaltig gedacht gedacht aber eben .. Wenn schon Präzisionswaffen, dann aber bitte auch präzise, um eine „Trennung der Massen von den Entscheidungsträgern vorzunehmen, nicht aber ihnen die Massen zuzutreiben. Die Clique geht in die Zentren, um die Bevölkerung miteinzubeziehen.“ Daher hätte der Kosovokrieg eine wahre Operation sein können, wenn „nicht 250, sondern 5-10 Ziele ohne mögliche Kollateralschäden“ pro Tag in der Zielplanung aufgenommen worden wären und Präzisionswaffen nicht nur militärisch, sondern auch politisch präzise kalkulierend eingesetzt worden wären. Z.B.: „Warum hat man die TV-Mitarbeiter nicht kurz vor einer anstehenden Bombardierung gewarnt?“. Hierdurch hätte man die Entscheidungsträger von ihren Untertanen getrennt und es wäre zu einer „Erhöhung des politischen Effekts“ gekommen. Wobei er sich gegen Tyrannenmord ausspreche, d.h. „ich bin nicht dafür, dass man Entscheidungsträger umbringt 1) wegen der unkalkulierbaren Nachfolgestrukur, 2) wegen des Völkerrechts und dem Auftrag: Ordnung wieder herzustellen.“ Man solle mittels korrekter , wohl dosierter und präziser Zielplanung „die Entscheidungsträger so konditionieren, bis sie zu einer Rückkehr zur Ordnung“ kämen. Dabei gelte es freilich „ihre Unterstützer nicht zu schonen, die Kriegsgewinnler und Industriebarone“. „Abschrecken statt umbringen“ und sie so von der „Illegitimität zur Legitimität“ zwingen - das sei die korrekte Konditionierung und präzise Bombardierung. So aber wie die Amis und die Franzmänner Krieg geführt hätten, hätte es vor allem nur ein Opfer gegeben: DAS VOLK – und zwar das serbische und vor allem das deutsche, das nun den Preis dafür zu entrichten habe.

Ist Intervention im Namen der Menschenrechte legitim?

Freilich. Durch Berufung auf die „Agenda für Frieden der UNO von 1992“. Es könne nicht sein, dass ein Staat seine Bürger abschlachtet. Ziel sei daher „Ordnung wiederherzustellen“. Dies sei die erste UN- Resolution, die in staatliche Belange eingreife und die Chinesen hätten dagegen protestiert. Auch der Vorschlag, eine gemeinsame UN-Eingreifstruppe unter Vorsitz des UNO-Generalsekretärs mit Zustimmung des UN-Sicherheitsrates aufzustellen, hätte alle begeistert außer den USA, China und Russland. Dies wäre aus Haushaltsgründen noch mal von deutscher Seite hintenangestellt worden, „aber die Diskussion ist noch nicht fertig“ und gäbe es vor allem „von deutscher Seite viel Sympathie für die UN-Forces“. Desweiteren kann, wenn ein Krieg von seiner Partei, der SPD geführt wird, dieser nur humanitär sein und nur aufgrund lauterer Motive - von daher selbstredend legitim. Da sprach nicht nur der Soldat a.D, sondern der Parteisoldat SPD i.D.des Volkes.

Die Lehren des Kosovokrieges a la Buch:  Vom deutschen Nettozahler und der Wichtigkeit der Politik

„Der Kosovokrieg wurde aus politischen, nicht aus militärischen Gründen beendet“ – durch die Einbindung Russlands und der dadurchigen Isolation Restjugoslawiens. Letztendlich also ein Sieg deutscher Diplomatie mangels eigener militärischer Mittel. Doch schon zuvor könne deutsche Diplomatie aktiv werden: „Politische Instrumentarien sind wichtiger als militärische. Als letztes Mittel der Politik steht der Krieg, aber zuvor müssen alle Mittel der Krisenprävention ausgeschöpft werden. Leider sind die Mittel hierfür zu gering“. Und der Nettozahler und das eigentliche Opfer eines SOLCHEN  Kosovokrieges : DAS VOLK. Der zahlende deutsche Steuerbürger und das serbische Volk als Schicksalsgemeinschaft in einem Boot.

Bei jeder Bombardierung von Volkes Infrastruktur wie etwa der Donaubrücken, so der Referent, habe es ihm Tränen in die Augen getrieben und sei ihm klargewesen, dass er hier „mit meinen Steuergeldern zu mindestens 50% am Gesamtschaden zu haften“ habe. Zahlmeister: Deutscher Michel. Daher habe der finnische Präsident beim EU-Gipfel zu Kölle auch gewitzelt, der Südosteuropaplan, der Stabilitätspakt für Südosteuropa sei „ein Schröderplan“. Will sagen: die Deutschen müssen zahlen. Zwar ein wichtiges Instrumentarium um den Balkanvölkern eine ökonomische Perspektive gegen deren nur noch vorhandenen Kriegsökonomie zu geben – aber der Deutsche müsse zahlen. Und wenn er dafür zahle, dann sollten diese Balkanvölker mal gehörig gehorchen.

Wenn schon der deutsche „zahlende Steuerbürger“ blute (Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger und sonstige Sozialschmarotzer scheinen nicht zum Bürgertum zu gehören...), dann müsse auch das Kosten-Nutzen, bzw. das „Preis-Leistungsverhältnis“ stimmen:

„Entweder diese Gesellschaften halten sich an unsere Spielregeln oder es gibt keinen Pfennig. Dann bleiben sie  halt vor der Tür und das Armenhaus Europas“. Wer zahlt, schafft an. Wes Brot ich ess, des Lied ich sing-basta!

Deutschland kennt keine Interessen- nur die anderen -- Vom guten, uneigennützigen Deutschen und der Verworfenheit anderer Staaten: Anglosächsische Umtriebe, französische Geschichtschauvinisten, chinesische Menschenrechtsfresser, Ösis als Großmannssüchtige und Türkensturm über Bulgarien

Zwei Meldungen aus dem Publikum beschäftigten sich mit der Motiv- und Kriegsursachenforschung. These:

Die deutsche Politik habe in Konkurrenz mit anderen Verbündeten zielstrebig die Zerteilung Jugoslawiens vorangetrieben  um ihre Machtsphäre auf Südosteuropa zügig auszubauen und zu erweitern . Die einseitige Anerkennung Kroatien und Sloweniens, Waffenlieferungen von deutscher Seite an Seperatisten auch zu Zeiten des Waffenembargos, die Unterstützung für die UCK, das Schaffen von Vorwände wie KZs und Hufeisenplan und die sukzessive Ausweitung der Bundeswehrinterventionen bei den Balkankriegen wären konsequente Ausdrücke deutscher Machtpolitik und nicht den Menschenrechten geschuldet. Antithese:

Dieser Einschätzung wurde von Oberst Buch vehement widersprochen. Angesprochen auf die Frage des Grundes der Balkankriege und der Motive deutscher Interventionen, wusste Oberst a.D. Buch zu vermerken, dass er hier „vor allem die Kosten der Flüchtlinge für den deutschen Staat“ und ansonsten nur „Humanität“ von deutscher Seite ausmachen könne. Interessen hingegen nicht. Diese lägen wohl nur im Falle der anderen beteiligten Staaten vor und sollte es „ so etwas“ von deutscher Seite gegeben haben, so höchstens unter der Vorgänger-Regierung – für die er ja als SPDler nicht verantwortlich sei. Freilich durfte es sich hierbei dann auch nur um „Fehler“ von Kinkel, Genscher und Kohl gehandelt haben, nicht aber um Verfolgung von deutschen Interessen.

Theorie, Erklärungen und Analysen der Zusammenhänge sind des Oberst Sache nicht, nur Gemäkel und praktische Verbesserungsvorschläge an den Methoden seiner  Vorgesetzten und Entscheidungsträger, da er zu exekutieren und nicht zu hinterfragen hat. Da deren Entscheidungen und Motive eigentlich nur gut sein können, erfolgten bei der Analyse der Zusammenhänge nur nationalistische Schuldzuweisungen an die Adresse der Entscheidungsträgern anderer Nationen und anderer Volksmentalitäten.

Im Falle der USA läge bei den „Amerikanern ein Interesse vor, dass Jugoslawien von der Landkarte verschwindet, weil es ein potentieller Verbündeter Russlands hätte sein können. Ich könnte das nachvollziehen, das ist nicht menschenfreundlich, aber das ist nicht die EU“. Ob Deutschland denn ein Interesse an einem russischen Vorposten Jugoslawien gehabt hätte und diesen deswegen zerstörte, lag für Buch schon außerhalb des Denk- und Diskutierbaren. Auch in Montenegro trieben die USA ein übles Spiel:  Montenegro sei ein Ruheraum für Kriegsverbrecher und Kriegsgewinnler geworden und eine Operationsbasis für gegen die EU gerichteten Zigarettenschmuggel von Seiten US-amerikanischer Zigarettenhersteller.

Doch die eigentlich so gute EU war dann eigentlich auch nicht ganz so menschenfreundlich, da hier ja auch noch Franzmänner und Briten den menschenfreundlichen Deutschländer hintertreiben:

„Lange historische Linien, z.B. von Seiten Frankreich und Großbritannien wären da wohl als Motivation für das Handeln dieser Staaten auf dem Balkan auszumachen – zumal mit unverschämt antideutschem Akzent:

Während seiner Zeit in Brüssel hätte zu ihm, Oberst Buch

 „auf den Gängen der NATO ein britischer Offizier gesagt:

„Wir können nicht zulassen, dass in Jugoslawien die deutsch-österreichische Wirtschaftskraft hineintreibt“.

Da hat es mir die Haare durch das Barett getrieben!“

Doch nicht nur innerhalb der EU und in Form der USA lauerten da menschenunfreundliche Interessen.

„Beim Kosovo war die Gefahr einer Landoperation- zum Beispiel die Türken haben da die Möglichkeit über Bulgarien zu kommen“. Zwar diesmal nicht Türkensturm bis vor Wien, aber so zuzutrauen sei denen schon einiges. Nicht ungefährlich –  diese Türken.

Und Wien, Österreich? Indirekt wurde den Ösis Großmachtssucht und nationale Sonderwege beim Mazedonieneinsatz attestiert. Aufgemacht wurde dies an einem aktuellen Fall des „Herrn Matte“. Vor 14 Tagen seien in der slowenischen Küstenstadt Kopa 4 Container aus Malaysia konfisziert worden sein, welche über Malta, Kroatien nach Albanien verschifft werden hätten sollen. Inhalt der konfiszierten Container seien 50 Tonnen Handfeuerwaffen gewesen. Eigentümer sei ein Herr Matte gewesen, der kein Unbekannter sei, sondern zuvor schon in Österreich und „links der Isar“ gearbeitet habe, schon in den 90ern in Bosnien tätig gewesen sei „für unterschiedliche Dienste“, den ersten Verteidigungsminister Sloweniens persönlich kenne und nun „vom österreichischen Innenministerium einen weiteren Frachtbrief für Waffenlieferungen“ erhalten habe. Für den 11. September hätten weitere Waffen in der albanischen Hafenstadt Durres landen sollen. Aber die Slowenen hätten den Herrn Matte jetzt „festgesetzt“.

Wofür seien nun diese Waffen gedacht gewesen? Wohl für die dritte Entwaffnungsoperation der NATO in Mazedonien. Von der Waffenlieferung sei „ein Teil fürs Einsammeln, ein Teil für den Süden Mazedoniens“ oder die organisierte Kriminalität und deren Kriegsökonomie bestimmt gewesen. Maximal also waren da die Hintertreiber: Österreicher und organisierte Kriminalität. Dass jetzt „links der Isar“ und „für unterschiedliche Dienste“ eventuell den BND und damit eine deutsche Beteiligung meinen könne, galt ohnehin schon als ausgeschlossen.

Und hatte noch jemand Zweifel an den humanitären Motiven der BRD und der SPD, so wurde eine alte Redewendung neu aktualisiert: „Wenn es ihnen hier nicht passt, dann gehen sie doch nach Peking!“. Die Chinesen hatten ja – ganz anders als der Westen –   nationale Interessen im UNO-Sicherheitsrat verfolgt.

Im übrigen handele es sich bei diesen Hinterfragestellungen um gehörige Themaverfehlungen: „Es geht hier um Militär auf dem Balkan und nicht um Politik auf dem Balkan“. DAZU sei er eingeladen worden. Und als Militär habe er auch vor allem nur etwas zu Militärischem zu sagen – so das SPD-Mitglied. Scheinbar doch mehr der Soldat, der mal Ordnung in diesen zivilen Sauhaufen und diese utopistischen Pazifistensekten bringen will.

 Conclusio: Die eigentlichen Aufgaben für Deutschland und noch bessere Verbesserungsvorschläge

Kurz: Bei soviel widrigen Kumpanen mit, um und auf dem Balkan , bei soviel Unmenschlichkeit in der Welt und deutscher Menschenfreundlichkeit für die Welt, deutschem Nettogezahle und Gefährdung deutschen Soldatenblutes riet Oberst Buch:

Legitim sei die „Schaffung von Ordnungsstrukturen mit Krieg, aber nicht gegen das Volk“. Wenn Deutschland schon am meisten zahle, müssten die Balkanvölker auch gefälligst gehorchen. Er halte es zudem mit Bismarck: Für den Balkan sei ihm das Blut eines jeden deutschen Soldaten zu schade und solle Deutschland sich „Respekt durch Abstand“ erwerben. Abstand sei auch wichtig, damit der deutsche Soldat nicht mit der organisierten Kriminalität in Kontakt komme und von dieser versaut werde.

Viel wichtiger als diese Balkanvölker sei der „Schutz der EU-Außengrenzen im laufenden EU-Erweiterungsprozess“, da es hier möglicherweise ethnische Probleme geben könnte: Slowakei- Ungarn und Ungarn-Rumänien. D.h.: Vor allem mit Ungarn könne es Probleme geben. Diese „Nachbarschaftsprobleme“ und „das Ausfranzen der EU-Ränder durch Mafia-Ökonomien“ seien die eigentlichen Herausforderungen für eine eigentliche „Friedensökonomie“, aber mit den üblichen Streitkräften sei da nix zu machen. Notwendig seien daher „Spezialkräfte mit Aufklärungskapazitäten und Präzisionswaffen für asymetrische Operationen“, ähnlich Antiterror- und Antimafia-Einheiten. Das Geld des deutschen Steuerzahlers solle man daher nicht für die Streitkräfte, sondern solche Spezialkräfte investieren.

Die Reaktion: Vereinzelte Empörung, doch die Friedensbewegung dankt!

„Das hätte eine Veranstaltung Deutschnationaler sein können“ (etwa Bund freier Bürger und des Bundes Deutscher Steuerzahler), „doch“ es war eine Veranstaltung der VVN/ Bund der Antifaschisten, welches unter der Ägide der Friedensbewegung liefe – so die Kritik eines empörten Veranstaltungsbesuchers. Deutschnational schon, aber es handelte sich bei dem Referenten keineswegs um einen Vertreter irgendeines obskuren rechten Randes, sondern ein gelegentlicher Blick in SZ, taz, SPD- und Grünen-Presseerklärungen würde klarmachen, dass es sich hier  um den Mainstream in Sachen „Konzeptdiskussionen“ handelt, dem auch PDSler einiges abgewinnen können. Vor allem wenn man bis 2002 in „Regierungsfähigkeit“ hinüberwachsen zu gedenkt.

Und nun „auch“ bei der Friedensbewegung und der VVN/BdA? So verwunderlich ist dies auch nicht, da sich  die Friedensbewegung  ja schon immer mit alternativen Friedenssicherungskonzepten zur NATO zugunsten einer vermuteten „Bananen Republik Deutschland“ (BRD) gegen die Supermächte Sowjetunion und USA beschäftigt hatte. Dass deutsche Soldaten nicht als „US-Söldner“ oder für „Raubtier- und Turbokapitalismus Marke Amerika“ marschieren sollen, war von jeher Sorge linksnationaler Menschen, die eher für ein „ziviles, ökologisches atomwaffenfreies Projekt Europa“ eintraten, in dem sich ein „antifaschistisches Deutschland“ einzubringen habe. Von einem nuklearfreien Europa bis zu defensiven Guerillakonzepten couragierter Deutschdemokraten war da ja schon alles im Kurs, wie auch schon nicht näher definierte Neutralitäten von Deutschland, welche „auch“ bei so rechten Friedensforschern wie Mechtersheimer und der NPD Anklang fanden. Und im Falle Buchs soll sich Deutschland eben auf die „EU-Erweiterung“ „beschränken“.

Dass da ein Militär a.D. referierte, stellte auch nichts Neues dar. Schließlich hatte die Friedensbewegung der 80er Jahre mit ihrem „Friedensgeneral“ Bastian und „Generalen für den Frieden“ sogar höherrangige Etagen bei Konzeptdiskussionen aufzuweisen als einen mittelmäßigen Oberst a.D..

Kostenfragen und alternative Volkswirtschaftsrechnungen waren ebenso von jeher Bestandteil von pazifistischem Idealismus, der der imperialistischen Seite schon immer vorrechnete, dass man „eigentlich“ auch anders  rechnen und funktionieren könne und „Krieg sich nicht lohnt“ und „auszahlt“ – höchstens halt für einen „Militärisch-Industriellen Komplex (MIK)“ , der den eigentlich guten Staat wegen Rüstungsprofiten Kriege aufoktroyiere und Quelle alles Bösen sei. Daher gelte es den Zivilen Komplex, gemäßigte Kapitalfraktionen und andere vermutete Verbündete für eine friedliche Zivilgesellschaft zu stärken.

Dass sich „nun“ Friedensinis mit deutschen Konzepten gegen Amiwillkür beschäftigen, ist halt Kontinuität. Dass die VVN/BdA ihren Namen dafür hergegeben haben soll, würde zeigen, dass auch hier der rot-grüne Wechsel beglichen wird und sich stramme deutsche Antifaschisten inzwischen nun vor allem vom „Hitler“ Milosevic bedroht zu fühlen scheinen. Das Referat steht also insofern für links-nationale Kontinuität, die keineswegs nur einem „rechten Rand“ geschuldet ist.

Folgerichtig erklärte auch der friedensbewegte Moderator der Veranstaltung bezüglich Bedenken an den Inhalten des Oberst Buch, dass  hier „endlich einmal“ einer mit Kompetenz und Sachverstand gesprochen habe und „die Friedensbewegung und die Linke schon zu lange nur unter sich“ parolenhaft und schlagwortartig diskutiert hätte und „sich noch nie mit anderen Positionen auseinandergesetzt“ habe. Endlich mal andere „Perspektiven“ für die Friedensbewegung, die dadurch zukünftig produktive Sachkompetenz einbringen könne und nicht nur als Verweigerer dastehe. Dieser Beitrag sei als „Chance“ zu begreifen. Ergo: Mitmarschieren, solidarisieren....!

Andere Diskutanten dachten a la Buch volkswirtschaftlich: „Eigentlich“ könne man sich doch diese ganzen Kriege gleich ganz sparen. Bei dem was diese Kriege kosten, könne man mit dem Geldbetrag doch „eigentlich“ diese Länder ein- und auskaufen und gleich eine „Friedensökonomie“ entwickeln. Das sein Friedenspolitik. Unverständlich warum es auch immer anders laufe.

 Im Falle der jüngsten Anschläge auf die World Trade Türme und eine mögliche Intervention in Afghanistan wurde sich in der Diskussion ebenso gelehrig und lehrbuchmäßig auf Friedensoberst Buch bezogen und schon weitere alternative Präzisionswaffen in Anschlag gebracht:

Eine Luftbrücke mit Rosinenbombern für Afghanistan statt Kampfbombern. Das wär´s!

So würde die Bevölkerung von der Taliban getrennt, müsste keiner bomben und keiner verhungern oder so.

Friedensbewegung 2001: Imperialismus kann so schön sein- eigentlich halt! (Lala)

 

 

 

 


www.streitblatt.de, Januar 2002, e-mail: redaktion@streitblatt.de