Schluss mit lustig!

Von des Spaßkultur zur neuen Ernsthaftigkeit

Ja, sie war in letzter Zeit vermehrt ins Fadenkreuz der Kritik gekommen: Die sogenannte Spaßkultur . In zweierlei Hinsicht. Zum einen, dass hier zu exzessiv, oberflächlich, nicht zweckgerichtet für eine Sache minderen nationalen und patriotischen Gehalts gefeiert würde. Loveparade und Ballermann Sex als die zwei meist kritisierten Repräsentanten. Zwar wurde der Loveparade noch zugute gehalten, dass hier junge Deutsche der Welt das Bild eines friedlichen Deutschland aussendeten – schon besser als Feuersbrünste an Synagogen und Asylbaracken.. Aber das war´s denn auch schon wieder, denn Leute, die es angesichts langweiliger und nerviger Lohnarbeit einfach mal krachen lassen wollen – so nicht. Den taktischen Titel „politische Demonstration“ wurde der Love Parade ohnehin nicht abgenommen – ein Kniff um halt Müllkosten von Seiten der Veranstalter zu sparen. Und diese Ballermannprols – da muss man sich ja „als Deutscher schämen“ – „unser Bild im Ausland“ und so. Müll, Unordnung, Hedonismus, liberale Laiszivität, Drogen, Dekadenz und Untergang des Abendlandes – armes Deutschland auch. Zeit mal zu entrümpeln.

Uschi Glas, Deutschlands Filmdiva in Sachen Konservatismus wusste schon zu differenzieren: Freude ja, aber einfach so Spassss? Freude schöner Götterfunken beim Abriss der Mauer , Freude an der Arbeit, Freude an der Familie, Freude an und Stolz auf die Nation – das seien doch so die eigentlichen Sachen, an denen sich ein freudiger Deutscher erfreuen dürfe und könne. Aber Spaß? Also ernst muss  es einem schon sein, bei den Dingen, die da das nationale Gemüt erfreuen sollen.

Auch Stoiber stellte mal bei Biolek klar: Einfach so aus Spaß beim Grand Priz Eurovision mitzumachen wie der Guildo Horn, Stefan Raab, Slatko oder Mooshammer gehe ja wohl nicht. Schließlich representiere man sein Land und solle schon der Wille zum Siegen für Deutschland da sein. Nur einfach dabei sein- das ist eindeutig zu wenig.

Deutschlands gewachsene „Verantwortung“ , also Ansprüche gegenüber der Welt, bedeutet, dass vermehrt auch im Überbau vermehrt der Gestus der „Verantwortsbewußten, der die Sachen ernst nimmt“ gefordert wird. Galt es in den ersten Jahren anderen Staaten „Ängste der europäischen Nachbarn“ „ernstzunehmen“, so diente ja eine Loveparade gerade dazu der Welt das Bild eines geläuterten, garantiert harmlosen Deutschen, der auch Spaß versteht und zu feiern weiß, zu präsentieren. Spätestens als Schäuble bei CDU-Parteitag Patriotismus einforderte, wurden auch die Stimmen lauter, dass es jetzt mal Schluss mit lustig sein müsste angesichts der Herausforderungen und Gefahren die eine globalisierte Welt an den Standort Deutschland stelle. Patrioten zeichnen sich dadurch aus, dass sie zuerst einmal die Projekte der Nation im Auge haben und ernst nehmen – gefeiert soll bei deren Gelingen werden, aber eben einfach nicht so aus Spaß an der Freud´. Scharping am Swimmingpool beim Feiern an der Heimatfront – während „unsre Jungs“ ihr Leben aufs Spiel setzen. So nicht. Schon in den Vorwochen vor dem Anschlag auf das World Trade Center kam die Spaßkultur ins Fadenkreuz der Kritik. Die National- Stolz-Debatte wurde von Koch erweitert um die Forderung deutschen Schüler sollte in Schulen gefälligst endlich Stolz auf die deutsche Fahne beigebracht werden. Die Forderung von Kanzlergattin Schröder-Kopf, den deutschen Nachwuchs strenger zu erziehen, geht ebenfalls in diese Richtung: Zu schlapp, zu unerzogen, zu wenig ernst bei der Sache diese Balge auch. Zudem: Da „Deutschland ausstirbt“, muss auch der Stellenwert der Familie und die Kinderproduktion erhöht werden. Da ist es nicht mit getan, da einfach nur Spaß beim Sex zu haben.

Dass Kinder vor diesem Hintergrund vermehrt als wichtiges Gut der Nation angesehen werden, zeigen sich auch bei der Hysterie um die Sexualtäter und Kinderschänder. Da reichten keine Verweise, dass die Zahl der Verbrechen in diesem Bereich rückläufig ist – ähnlich wie bei der Kampfhunddebatte herrschte da gleich Pogromstimmung und Hysterie. Der Einsatz von Bundeswehr und Bundesgrenzschutz nach innen, wie auch die Reaktionen belegen, dass nicht nur die Wehrlosigkeit der Opfer empört, dass die Stimmung nicht  allein dem „Hochpushen durch die Medien“ zu verdanken ist, sondern darüber hinausgehend dies eben als Anschlag auf „unsere Zukunft“ , d.h. auf die Lebensbasis der Volksgemeinschaft wahrgenommen wird – und ist von daher im Zusammenhang mit forcierte Diskussion um die Familienpolitik zu sehen.

Die durch die Anschläge von New York weiter katalysierte Militarisierung nach außen und nach innen, bezieht sich dabei keineswegs nur auf sicherheitstechnische Fragen, sondern schließt auch den staatsbürgerlichen Gestus der Untertanen mit ein: Schluss mit lustig, nach 10 Jahren Spaßkultur und Wirtschaftsboom im Erholungs- und Freizeitpark Deutschland ,der in Zukunft auch zunehmend „Verantwortung“ in aller Welt und Kriege führen wird. Zeit zur Besinnung auf den Ernst und die Gefahren des Lebens!

Vorbei da Duldung privatistischer Nischenkultur, Abseitsstehen, Hedonismus und Liberalismus – gefragt ist nun zunehmend gelebter Patriotismus, aktives Engagement und klares Bekenntnis für die Nation und die „Wir-Gesellschaft“(Schäuble). Das gilt für alle. Daher schlägt auch der Berliner Innensenator und Militär a.D.Schönbohm (CDU) schon mal vor, dass Rentner zur Ehrenamtlichkeit gefälligst auch verpflichtet und gezwungen werden sollten. Von wegen da „wohlverdiente Altersruhe“ . Nun wird weitgehende, bzw. völlige Identifikation mit der Nation und Volksgemeinschaft gefordert. „Wir“ soll auch wirklich wieder „Wir“ meinen in der „Wir-Gemeinschaft“. Das ist schon ernst gemeint! (Lala)


www.streitblatt.de, Januar 2002, e-mail: redaktion@streitblatt.de