Neue Grenzen am Horn von Afrika

Den Haag hat entschieden

Seit November 1999 haben wir immermal wieder auf den äthio-eritreischen Grenzkrieg hingewiesen, der im Dezember 2000 schließlich zu einem Waffenstillstand führte. Inzwischen (am 15. April 2002, um genau zu sein) hat das einberufene und von beiden Staaten anerkannte internationale Schiedsgericht in Den Haag seine Entscheidung getroffen und öffentlich gemacht.

 

Central Sector:

Das Städtchen Alitiena liegt jetzt in Äthiopien, das völlig zerstörte Zalambessa hat dort ohnehin immer  hinzugehört, der Ort Tserona ebenso wie das Belesa-Dreieck hingegen bleiben eritreisch, wenn auch die Bada-Gegend mit Zugang zum Salzsee der Danakil-Depression verloren ging.

Eastern Sector:

Zwischen den angestrebten Grenzvorstellungen beider Staaten entlang der Danakil-Wüsete parallel zum Roten Meer hat sich das Gericht so durchlaviert, daß jeder ein bißchen was kriegt. Sehr solomonisch, denn dort gibt es nur Sand und Steine, andererseits ist der Gewinn von Gipfeln hier von strategischer Wichtigkeit, aber das läßt sich auf der veröffentlichten Karte nicht einsehen.

Western Sector:

Der schwer umkämpfte Badame-Zipfel bleibt bei Eritrea, die äthiopische Grenzkorrektur ist hinfällig, doch geht Badme-Dorf an Äthiopien, wenn es denn jenseits der graden Linie zwischen den Referenzpunkten 6 und 9 der UN-Kartographen liegt und das wiederum kann man zwar vermuten, doch niemand weiß es ganz genau. Interessanterweise wurden die entscheidenden Karten in Anlehnung an sowjetische Generalstabskarten erstellt und mit Satelliten überprüft und sind also so genau als möglich.

 

Eritrea hat die Entscheidung als Sieg für die Völker von Eritrea und Äthiopien gleichermaßen gewürdigt, Äthiopiens Außenminister den Spruch als klaren Sieg seines Landes - muß seine Regierung sich doch vor den großäthiopischen Chauvinisten rechtfertigen. BBC und Gulf News schätzen die Zahl der Kriegstoten aktuell auf 70.000, was weit unter früheren Schätzungen liegt, nichtsdestotrotz werden die jungen und jugendlichen Soldaten, die sich jetzt auf ihre Demobilisierung freuen, kaum vergessen, daß sie Freunde und Verwandte, Jahre ihres eigenen Lebens und oft auch ihre Gesundheit verloren haben, damit die Einwohner von Bada-Dorf jetzt wissen, ob sie den eritreischen oder den äthiopischen Behörden gehorchen zu haben. Zivilisatorische Arroganz ist allerdings unangebracht, denn es wurde nicht um Öl gekämpft (was links wie rechts einsichtig wäre), sondern um die Vorherrschaft in der Region rivalisiert - und damit wurde nichts als der westliche Staatsgedanke verstanden und umgesetzt.

(#7)


www.streitblatt.de, Mai 2002, e-mail: redaktion@streitblatt.de