streitblatt

Zeitung der Fachschaftszelle Philosophie
Ausgabe 3 - Juli 199

Vorwort

Wenn dieses Streiblatt erscheint, wird so manchem Leser aufgefallen sein, daß wir einen erhöhten Anteil an sogenannten "theoretischen Artikel" aufweisen - ein Synonym bei stupideren Desinteressierten für "überhaupt-lesen-müssen" (?!) oder für bürgerlich orientierte Menschen für Marxismus, d.h. einer Analyse der kapitalistische Ökonomie, die nicht subjektive Austauschkriterien des Aktionärs, Schnäppchenjägers oder bazarhandelnden Neckermanntouristen im Kopf hat oder ewig sich aufspaltenden und wieder irgendwie zusammenhängende Produktionsfaktoren der BWL/VWL zur "Erklärung" hat. Wir wollen auch nicht als sogenanntes lebenspraktisches Börsenfrühstück oder Investitionsberater dienen oder als Fakten, Fakten, Fakten-orientiertes Trashanleihenblatt, wie es immer öfter als Trend propagiert wird. Wir nehmen die marxistische Analyse als streitbare Grundlage um die "real existierende" kapitalistische Gesellschaft, ihre Krisen, Kriege, Weltkriege (und evtl. lange Wellen) zu erklären - und zwar anders als die bürgerichen Professoren, Medien, die Max Webers, Huntingtons, Ifo-Institute oder Rating-Agenturen dieser Welt. Wir wollen uns auch nicht der Logik anschließen, daß weil der "Ostblock" "zusammengebrochen" ist, Marx deswegen keine Berechtigung hätte. Da wir schon Probleme mit Lenin haben, sehen wir auch in den "verbliebenen 2 Alternativen" Keynes versus Liberalismus keinerlei Perspektive, sondern im Gegenteil sich einander bedingende und gegenseitig legitimiernde grundfalsche Konzepte, ja verdummende bürgerliche Theorien, ergo: affirmativ-legitimierende Ideologien

Daß wir diesmal und auch in Zukunft mehr "theoretische" Artikel haben, sehen wir als gesellschaftliche Notwendigkeit an, allein schon wenn wir uns den Zustand der verbliebenen Linken betrachten. Die Artikel sind auch Ausfluß der Gegenuni- einem Projekt, das zwar spärlich (wie erwartet) besucht wurde, aber interessante Diskussionen und eine fruchtbare Basis zur Fortführung erbrachte. Das STREITBLATT wird also sowohl Analysen und Artikel zu aktuellen Geschehnissen des Kapitalismus bringen, wie auch Ergebnisse und/oder Anregungen der Gegenuni

WAS IST DIE GEGENUNI

Ach ja, warum eigentlich "Gegenuni"? Mit dem blöden Namen "Gegenuni" werden wir keinen kreativen Blumentopf für Marketingstrategien gewinnen. Das war uns schon klar. Ein Alternativprogramm zur bürgerlichen Universität für den letztlich gleichen Zweck wollen wir nämlich nicht anbieten. "Alternativuni" haben wir uns deshalb nicht genannt. Sondern "Gegenuni". Was wir mit der Gegenuni begonnen haben, ist ein Selbstverständigungsprozeß, der den Rahmen dieser vier Wochen sprengen wird. Was ursprünglich Schwerpunkt der Gegenuni hätte sein sollen: die bürgerliche Wissenschaft zu kritisieren und dabei herauszufinden, wie eine eigene Wissenschaft beschaffen sein müßte ist mittlerweile in den Hintergrund getreten. Wichtiger schien uns, zunächst einmal grundlegende ökonomische und gesellschaftliche Zusammenhänge zu klären. Schwerpunkt der Gegenuni bilden daher Politische Ökonomie, Abstrakte Arbeit, Destruktive Kritik und Legitimation des Rechts. In Politischer Ökonomie untersuchen wir, nach welchen Prinzipien die kapitalitische Ökonomie funktioniert. Ausführlicher auf die Marxsche Analyse des Kapitals gehen wir in Abstrakter Arbeit ein, wo wir den Schwerpunkt allerdings darauf legen, wie sehr die ökonomischen Kategorien unser tägliches Leben bestimmen. Destruktive Kritik geht der Frage nach, warum unter dem Deckmantel des kritischen Denkens die Affirmation des Bestehenden so reibungslos abläuft und klärt ganz nebenbei, warum die Meinungsfreiheit existiert. Legitimation des Rechts untersucht, wie sich die Widersprüche der kapitalistischen Gesellschaft, die wir in der Politökonomie konstantiert haben im jurisitschen und moralischen Überbau wiederfindet. Fertig sind wir in den vier Wochen Gegenuni nicht geworden. Wir werden die Diskussion danach fortzusetzen. Näheres wird noch bekanntgegeben. Wer Kritik, Diskussionsbeiträge, Vorschläge oder Artikel äußern möchte, kann dies dort oder im nächsten Streitblatt, das partiell auch als "Gegenuni"-Organ dient

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Streitblatt - webmaster@streitblatt.de - Letzte Änderung: 10. Maerz 2000.