Was es wohl im neuen Jahrtausend mit dem Marxismus noch auf sich hat, das zu erfahren begab ich mich am 15.01.2000 in das Dritte Welt Cafe. Verheißungsvoll lachte mich die Ankündigung einer Veranstaltung mit dem Namen »Wieso kommt es zu Kriegen?« an. Diese Frage sollte dort in Form eines alternativen Seminars beantwortet werden. Auch was man sich darunter vorzustellen hat, stand in der Ankündigung. »Krise, Krieg & Revolution ... das Gesicht der Zukunft?«, so der Titel der Einladung – schön wär ´s, denk ich mir, Revolution, das hat was. Schau ich mir also mal an, wie das geht.
Als Bush und Gorbatschow den Kalten Krieg für beendet erklärten, so lehrt die Broschüre, rechneten sie irrsinnigerweise damit, daß dann eine Zeit wirtschaftlicher Prosperität, erfüllt von Sicherheit und Reichtum, eine neue Ära des Friedens und der Entwicklung hereinbrechen würde. Was für ein Irrsinn, denn tatsächlich erleben wir »Krise, Krieg und Elend!« – es gilt nun also das Elend in eine Revolution zu verwandeln, und wie das geht, das kann uns die Broschüre im nächsten Absatz erklären:
Doch nicht, hier erfahre ich zunächst nur, wie es nicht geht: Rot-Grün wählen. Ging es anfangs dadurch zwar noch in die richtige Richtung – wenn auch etwas langsam – so geht es »spätestens seit dem kalten Putsch gegen Oskar Lafontaine« in die falsche. Mit »Volldampf«. Volldampf, das dachte ich mir auch, beim Lesen der Erläuterung im nächsten Absatz. Dort wird die Rot-Grüne Perspektive als gar nicht revolutionär geoutet; in Wirklichkeit ist Rot-Grün nämlich
Um die Menschenrechte, so die Broschüre, ging es in Jugoslawien gar nicht, schließlich ginge es ja auch bei der Türkei nicht um die Menschenrechte, deren Regierung sich ja auch noch ausdrücklich von Menschenrechten distanziert. Da macht Rot-Grün also aus Milosevic einen neuen Hitler, wo der eigentliche doch in Form der »faschistische(n) MHP«, einer »Partei, in deren Programm es heißt, Demokratie und Menschenrechte seien eine Erfindung der Juden!« in der Regierung in Ankara sitzt. – So also ist das mit Rot-Grün, prahlen mit Revolution, können sich aber nicht mal anständig um die Menschenrechte kümmern. Ganz klar, da hilft nur eins:
Enttäuscht, ob Ausbleiben der Revolution, wollen die Leute kein Rot-Grün mehr. Und das ist nicht gut, denn dadurch, so belehrt uns Lafontaine, droht »ein neuer Klassenkampf und der Aufstieg radikaler Parteien.« Klassenkampf? – Nein danke, dann doch lieber eine »neue Linke nach dem Ende des Stalinismus.« Also was tun? – Ganz einfach: Man
Daß die Chancen hierfür gegeben sind, dafür ist die Situation an den Unis beispielhaft. Aha! – Ist damit der Antrag der Fachschaft Geschichte auf Umbenennung des Antifaschismusreferates in »Antiextremismusrefe-rat« gemeint? – Es scheint fast so, denn um 14.00 Uhr, am besagten Tag, erfahre ich zunächst auch etwas über die Geschichte.
Nach dem Zusammenbruch des Stalinismus, durch die Revolutionen im Ostblock, so wird zunächst vorgetragen, ist die geopolitische Lage eine andere, als die Irrsinnigen der Marktwirtschaft uns weismachen wollen. Da denk ich doch gleich an die Fachschaft Geschichte und schalte also mein Hirn ab. (sg)