AK Imperialismus

28.1.2000

Zahlungsbilanz

Ausgeglichenheit der Zahlungsbilanz ist nicht zu verwechseln mit Ausgeglichenheit in der Außenwirtschaft/außenwirtschaftlichem Gleichgewicht.

Die Zahlungsbilanz ist eine rein statistische Erfassung, ihre Ausgeglichenheit wird durch kreuzweises Ausgleichen der jeweiligen Aktiva-/Passivposten mittels Devisenerhöhung bzw. Verringerung erreicht. Dies dient der buchhalterischen Rechnungsweise. Ein Problem ergibt sich nur dann, wenn die Verringerung der Devisenbestände ihre Fahnenstange erreicht, d.h. keine realen Devisenbestände mehr vorhanden sind zum Ausgleichen.

Das außenwirtschaftliche Gleichgewicht hingegen ist eine Idealvorgabe – analog zu den 4 Makrozielen der Wirtschaftspolitik, wie sie in den 70er Jahren formuliert wurde (hohe Beschäftigung, niedrige Inflation, ...).

Golddeckung

»Locker verbreiten sie die Idiotie, dass eine »Ablösung« vom Gold stattgefunden hat – als ob nicht jedes Detail des IWF Zeugnis vom Gegenteil ablegen würde. Der Dollar, an dem sich alle Währungen messen müssen, misst sich nämlich am Gold« (Imperialismus S. 21). Locker verbreitet hat hier die MG-Broschüre die Idiotie einer weiter gültigen Golddeckung der Weltwährungen. Faktisch ist dies heute und war es schon damals nicht mehr der Fall. Dies hat jedoch mehr historischen Streitwert. Allgemeiner richtig daher: Das Zeichengeld hat keinen Wert, es repräsentiert ihn. Der Wert des Geldes wird heute durch die staatliche Gewalt garantiert. Welche Form der Garantie der Staat hierfür verwendet, ist eher nebensächlich. Der Grund für die Abschaffung/Ablösung des Goldstandards ist darin zu sehen, dass er ein Hindernis für die Entwicklung der Expansion von Kreditvergabe gewesen war, also ein Hemmnis für die weitere weltweite Expansion des Kapitals.

Frage: Wäre also in Zukunft eine Umkehrung, z.B. zu einer Golddeckung wieder denkbar? Unter welchen Umständen? Oder handelt es sich um einen sogenannten irreversiblen Trend? Die jeweiligen Bedingungen und Parameter für die jeweilige Wahl der jeweils geeigneten Form der staatlichen Garantie wurden nicht weiter konkretisiert.

»Dass die eine oder andere Nation nach einem verlorenen Krieg aufgepäppelt wird, hat aber erst in zweiter Linie ökonomische Gründe; welchen Ländern wieder zu einem funktionierenden Kapitalismus verholfen wird, hängt auch davon ab, ob es als Bollwerk gegen den Sozialismus dient«. Korrekt: »...hing davon ab...«. Frage: Gibt es also heute wegen wegfallender SU keine Staaten mehr die wirtschaftlich aufgepäppelt werden (z.B. Kaukasus)? Falls doch, was wären dann die Gründe?

»Im funktionierenden Weltmarkt sind reibungslose Verhältnisse zwar ganz nett; gegen den Markt wird allerdings nichts unternommen. Der IWF untersagt seinen Klienten heute eigenständige Währungspolitik, dies gilt also nicht für imperialistische Staaten.« Der erste Satz ist unglücklich formuliert, konstruiert einen nicht existenten Widerspruch. Besser: Der IWF untersagt seinen »betreuten Schuldnerstaaten« heute eine eigenständige Währungspolitik, dies gilt also nicht für imperialistische Staaten, da diese ja den IWF stellen. Wie steht es eigentlich mit dem EURO und den Maastrichtkriterien? Untersagt die EU damit ihren Mitgliedstaaten eigene Währungspolitik? Scheinbar ja.

Der Niedergang der SU&Co. Sei durch die Illusion dieser Staaten zu erklären, mittels Importen (von Investitions- und Konsumtionsgütern) die Lage der Bevölkerung zu verbessern UND die Importe zurückzahlen zu können durch Exporte, d.h. in der Illusion über die Gesetzmäßigkeiten des Weltmarktes begründet. Daher seien diese Staaten in die »Kreditfalle« getappt. Weiter zu klären wäre: War die Sowjetunion eine letztendlich bürgerliche Revolution (Cajo Brendl), ein (sozial-)imperialistischer Staat (VR China, u.a. Kritiker), Sozialismus, ein degenerierter Arbeiterstaat (Mandel/4. Internationale), Staatskapitalismus (SWP)? War es die Illusion in den Weltmarkt, die Hochrüstung, die Orientierung auf den Aufbau eines »Sozialismus in einem Land« (Stalin) unter Aufgabe einer Weltrevolution? Dieser Teil soll separat noch einmal behandelt werden.

Abwertung

Am Beispiel der CFA-Zone wurde die Rolle von Währungen und Abwertungen verdeutlicht. (ro)

11.2.2000

I. Die entwickelten Länder sind nicht - wie die armen Länder - Mittel des Weltmarkts. Der Weltmarkt ist ihr Mittel.

II. Im Patriotismus äußert sich die Sorge um das Gelingen des Staates. Insofern das Kapital am Staatszweck, der Erhaltung der Konkurrenz interessiert ist, ist es patriotisch. Der Patriotismus des Kapitals ist der nackte noch nicht ideologisch überformte Patriotismus. in ihm wissen sich die Staatsmänner weltweit einig, insofern es überall auf funktionierende Ausbeutungsbedingungen ankommt und uneins insofern sie die Erträge des Kapitals zur Stärkung des eigenen Staats verwenden wollen.

III. Die Staatshandelsländer konnten nicht unmittelbar der kapitalistischen Akkumulation dienen - auch sie lieferten dem Westen aber die gewünschten Rohstoffe und Arbeitskraft.

Anlass dafür, massiv in den Weltmarkt einzutreten, waren die Vorstellung, den Westen übertrumpfen zu können und die mangelnde Leistungsfähigkeit im Rahmen der Industrialisierung (in der Folge der Kollektivierung lieferte Ford mehr als 50% der landwirtschaftlichen Geräte). Einmal in den Weltmarkt eingetreten, erforderte die Devisenbeschaffung ein »brauchbares Warenangebot«, und dieses moderne Produktionsanlagen, die importiert werden oder in Lizenz hergestellt werden mussten (die technologischen Differenzen wurden dadurch natürlich beibehalten).

Das Maß des westlichen Einflusses war recht unterschiedlich und nahm nach und nach zu, insbesondere nachdem durch den Einstieg in die internationale Kreditwirtschaft die Beteiligung am Weltmarkt unumkehrbar wurde:

Investitionsgüterimporte - Roh- und Halbfertigwaren - Lohnveredelungsabkommen - betriebliche Kooperation - Direktinvestitionen.

IV. Auf die Handelsbilanz und Zahlungsbilanz muss die USA keinen Wert legen, weil der Dollar Weltgeld ist. Der Reichtum eines Landes ist zunächst unabhängig vom Wechselkurs. In anderen Währungen ausgedrückt nimmt aber der Reichtum des Landes ab. Wie relevant das ist, hängt von der Stärke des Staates ab. Die USA als Weltmacht Nummer eins, brauchen sich um die Stärke ihrer Währung gar nicht zu kümmern.

Das Projekt Euro ist ein Angriff auf dieses Weltgeld und gleichzeitig ein Mittel zur Stärkung des Standorts Europa. (fb)


Streitblatt - webmaster@streitblatt.de - Letzte Änderung: 11. Maerz 2000.