Ästhetik statt Aussage

Anmerkungen der Redaktion

Diese Antwort auf unseren Artikel hat uns überrascht. Uns selbst zunächst nicht so ganz sicher ob der Trefflichkeit unserer Einordnung der Politik der Kunstvereine, rechneten wir eigentlich mit einem Einwand. Stattdessen: eine Bestätigung von der Art, daß wir - um den Lesern einen kleinen Spaß zu bereiten - das Ganze lediglich mit einem »q.e.d.« kommentieren wollten. Da aber einige Leser dies wohl garnicht lustig gefunden haben würden, werden wir unseren infamen Rufmord im Bildzeitungsstil nicht noch durch eine derartige Verhöhnung um den Tatbestand der Verletzung von religiösen Gefühlen o.ä. erweitern, sondern kurz folgende Stellungnahme abgeben.

Ganz in der unterstellten Weise, fällt an unserem Artikel als erstes auf, daß weniger als ein Drittel sich explizit mit »dem Thema« befasst. Wenn man es gewohnt ist Gott mit Gott, oder Volk mit Volk zu erklären, dann erklärt man auch gern Kunst mit Kunst. Da liegts freilich nahe Worte zu zählen, die einem irgendwie bekannt vorkommen, und dann zu versuchen sich einen Reim daraus zu machen; da wird alles dunkel, was über Tabellen und Register hinausgeht. Sogleich wird konsequent eine neue Tabelle gemacht; in die eine Spalte kommen die Künstler, in die andere die »Nichtkünstler«. Damit ist aber noch nichts zu »dem Thema«, bzw. was hier offenbar als solches vermeindet wurde gesagt, sondern lediglich bewießen, daß nichts propagiert wird. Konsequent vermeidet man also auf die Kritik an dem was propagiert wird einzugehen, und glaubt sich gegen den Vorwurf verteidigen zu müssen, überhaupt zu propagieren, denn schließlich - und darauf wird bestanden - ist man kein Politiker, sondern ein Künstler. Folgerichtig geht es um die Kunst überhaupt und nicht um irgendeine Kunst oder gar Inhalte, die nicht schlechthin und bezugslos als Kunst legitim sind. Was das betrifft, so ist mal wieder Tolleranz das oberste Gebot; Freiheit, die einzig und allein darin besteht, ihre Bedingungen nichtmehr zu verhandeln. So wird offenbar garnicht begriffen, was denn kritisiert wird und man beschwert sich über den BILD-mäsigen Stil, die Art der Erscheinung, nicht was erscheint - und selbst das vollkommen unzutreffend. Im Eifer des Gefechts bekennt man sich gar überhaupt noch nie in irgendeiner Weise einen Mieter beeinflusst zu haben, ja das müßte einem doch erstmal bewießen werden! - Da schweben sie, die freien Geister, für sich selbst allein - shin fein. Kein Wunder daß man aus diesem Nirvana des irischen Katholizismus heraus noch nicht mitbekommen hat, wer in München regiert. Die tiefschwarzen Anarchiepolizisten sinds nicht. Das macht aber garnichts, weil mit Herrn Nida-Rümelin kann man sich auch eins werden, wenn man den Kunststandort München wettbewerbsfähig machen will. Da kann auch ruhig mit allen Mitteln gekämpft werden, denn zumindest darüber besteht Einigkeit, daß es darum geht den Leuten eine Alternative aufzuzeigen zu Galsfassaden und Einbauküchen. Die neue Mitte denkt da genauso wie die christliche Opposition: Wenns um den Standort geht, dann muß halt so mancher auf sine Einbauküche verzichten. Und das, liebe Künstler, leuchtet im Zeitalter der Globalisierung selbst dem selbsternannten Anarchiepolizisten ein, wenn das alles ist.


Streitblatt - webmaster@streitblatt.de - Letzte Änderung: 8. April 2000.